Das Ende der DDR

Alle Infos gibt es auch über QR-Codes. Foto: Rita Gerlach-March

Die Freiluftausstellung in Waren (Müritz) zur Friedlichen Revolution. Teil 7 unserer Serie: die Stele an der Turnhalle. Thema: Das Ende der DDR.


Hintergrund

Es war ein wichtiger Meilenstein im Verlauf der Friedlichen Revolution auf dem heutigen Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns: In den Abendstunden des 16. Oktober 1989 zogen 400 Frauen und Männer in Waren (Müritz) schweigend und mit brennenden Kerzen durch die Innenstadt, von der Georgenkirche über den Marktplatz bis zur Marienkirche. In den folgenden Wochen und Monaten fanden in vielen großen und kleinen Städten und Gemeinden im ganzen Norden Demonstrationen statt. Als sich immer mehr Menschen auf die Straßen wagten, kam im Herbst 1989 eine Revolution in Gang, die in einem enormen Tempo eine dramatische Umwälzung der bestehenden Machtverhältnisse, Normen, Institutionen, Hierarchien zur Folge hatte und am Ende zur deutschen Einheit führte. Und dies friedlich und ohne Blutvergießen.


Stele an der Turnhalle

Pressekonferenz in Ost-Berlin zum neuen Reisegesetz. Quelle: Bundesstiftung Aufarbeitung, Klaus Mehner.

Der Text auf der Stele (Auszug)

Wann begann das Ende der DDR? Waren es die Ausreisedynamik, die Montagsdemonstrationen, der Rücktritt des Politbüros, die wirtschaftliche Lage, die Öffnung der innerdeutschen Grenze? Es kamen viele Faktoren zusammen, die den Zerfall des Systems verursachten und in ein Jahrhundertereignis mündeten: die Aufhebung der deutschen Teilung und das Ende einer Diktatur.

Über vier Jahrzehnte war Deutschland in zwei Systeme gespalten. Die innerdeutsche Grenze, die auf der Ostseite zu einer der am besten gesicherten Grenzen der Welt zählte, untergrub den geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenhalt der Nation und riss Familien tragisch auseinander. Im Norden verlief die Grenze von Pötenitz bis hinunter nach Lütkenwisch. Die vielen dazwischen liegenden Grenzorte wie Herrnburg, Zarrentin und Darchau waren besonders stark von der Teilung betroffen. Auch die gesamte Ostseeküste unterlag einem dichten System der Grenzsicherung.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik war das Wiedervereinigungsgebot als Verfassungsauftrag immer verankert. Aber an eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten hatte zu Beginn der Revolution niemand gedacht. Mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 kam die Frage der Deutschen Einheit plötzlich auf die politische Agenda, jedoch noch als Fernziel. Als auf den Demonstrationen, gerade auch in den Grenzstädten wie Schönberg, Dömitz und Wittenberge im Dezember 1989 die Rufe „Wir sind ein Volk!“ immer lauter und mehrheitlicher wurden, machte Bundeskanzler Helmut Kohl die Vereinigung zum Nahziel. Mit staatsmännischem Geschick und der Unterstützung insbesondere der Vereinigten Staaten von Amerika und des sowjetischen Staats- und Parteiführers Michail Gorbatschow setzte er sich gegen Widerstände im In- und Ausland durch.

Am 31. August 1990 wurde der Einigungsvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten unterzeichnet und bereits am 3. Oktober 1990 vollzogen. Die Freude über die politische Entwicklung war in Ost und West ungeteilt.

Der Euphorie folgte jedoch bald auch eine Ernüchterung. Während sich für die Ostdeutschen vieles änderte und abverlangte, lief das Leben im Westen weiterhin in gewohnten Bahnen. Die vielbeschworene „innere Einheit“ begann sich an den andersartigen Lebensläufen und Prägungen sowie den komplexen Transformationsprozessen im Osten aufzureiben. Aber eine deutliche Mehrheit sieht die Deutsche Einheit bis heute trotz aller Schwierigkeiten als Gewinn.


Serie

Teil 1: Die Stele am Hafen

Teil 2: „Die Erinnerung wachhalten“

Interview mit Kuratorin Dr. Sandra Pingel-Schliemann

Teil 3: Die Stele an der St. Georgen Kirche

Teil 4: Die Stele an der St. Marien Kirche

Teil 5: Die Stele am Markt

Teil 6: Die Stele am ehemaligen MfS-Gebäude


Extra

Waren (Müritz) ist von der Landesregierung und dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern zum zentralen Gedächtnisort für die Friedliche Revolution 1989 im Land bestimmt worden. Zu dem durch den Landtag beschlossenen Konzept gehört neben der Errichtung eines zentralen Erinnerungszeichens auch die Erarbeitung einer Dauerausstellung und die jährliche Durchführung einer Veranstaltung in Waren (Müritz). Am 16. Oktober 2020 wurde das zentrale Erinnerungszeichen an der Georgenkirche in Waren (Müritz), eine begehbare Installation der Stuttgarter Künstler Dagmar Korintenberg und Wolf Kipper, der Öffentlichkeit übergeben. (Hintergrund – hier)

Quelle: Archiv

Tipp

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