27. Januar: Tag des Gedenkens

Das KZ Auschwitz-Birkenau. Aufnahme: Stanisław Mucha (Quelle: Bundesarchiv)

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Hier unsere Seite mit Hintergründen, mit Lesetipps – und mit dem Überblick zu Gedenkveranstaltungen.


Hintergrund

Seit 1996 ist der 27. Januar ein nationaler Gedenktag, an dem man in Deutschland, der EU und der Welt der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedenkt, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden. Das Datum selbst erinnert an die Befreiung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945. Vor genau 81 Jahren.


„Diese Steine werden sprechen können“

Foto: Wiebke Marcinkowski

Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Opfern des Nationalsozialismus. Mit einer App kann man sich über die betroffenen Menschen digital informieren. Weiterlesen

Die App kann unter dem nachfolgenden QR-Code heruntergeladen werden:


Landesweite Gedenkveranstaltung

In Mecklenburg-Vorpommern wird jährlich der Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistigen und körperlichen Behinderungen gedacht, die im Nationalsozialismus in Vernichtungslager deportiert, ermordet oder zwangssterilisiert wurden.

27. Januar in Wöbbelin und Ludwigslust


Das KZ Wöbbelin

Kurz vor Kriegsende finden die Gräueltaten der Nationalsozialisten einen neuen Schauplatz – in Wöbbelin. Unweit des Dorfes, direkt an der Straße zwischen Ludwigslust und Schwerin, entsteht im Februar 1945 eines der letzten Konzentrationslager. Es existiert zehn Wochen. Pfercht 5000 Häftlinge zusammen. Mehr als 1000 sterben. (aus dem Archiv)


Landesweite Beflaggung

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wird auch in Mecklenburg-Vorpommern landesweit an öffentlichen Gebäuden beflaggt. „Der 27. Januar mahnt uns, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und jeder Form von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Diese Verantwortung ergibt sich aus der deutschen – unseren – Geschichte. Erinnerung ist keine Frage der Vergangenheit, sondern eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft“, sagt Innenminister Christian Pegel.

Die Beflaggung der Dienstgebäude des Landes unterstreicht die Bedeutung dieses Tages als staatlichen und gesellschaftlichen Gedenktag.


Tod auf dem Lewenberg

Günter Nevermann. Der Junge starb 1942 in der Schweriner Klinik. Aus dem Buch: Die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg 1939-1945. Foto: Familie Nevermann

Die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg gehört zu den zentralen Orten der nationalsozialistischen Medizinverbrechen auf dem heutigen Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern. Zwischen 1939 und 1945 wurden Patienten nach Schwerin gebracht und ermordet. Mindestens 1.900 Menschen fielen der „NS-Euthanasie“ zum Opfer. Darunter Günter Nevermann, ein Junge aus Wismar.


Lesetipps

Dorothee Freudenberg. Geschichte der jüdischen Gemeinde Stavenhagen 1750-1942. Schwerin 2020. Landeszentrale für politische Bildung MV. Hier geht’s zur Bestellung
Egon Krüger. Stammbäume jüdischer Familien in Pasewalk. Milow, Strasburg, Berlin 2019. Schibri-Verlag. Hier geht’s zur Bestellung
Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar. Juden in Mecklenburg 1845-1945. Zwei Bände. Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Hier geht’s zur Bestellung

Ausstellung

„#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“

…heißt die Ausstellung, zu der die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit MV bis 6. Februar 2026 in den Schweriner Dom einlädt. Texte, Bilder und thematische Impulse der Präsentation regen die Gäste an, sich mit Gemeinsamkeiten, Unterschieden und der Bedeutung eines respektvollen Miteinanders auseinanderzusetzen. So sollen Vorurteile abgebaut und der Dialog zwischen jüdischen und christlichen Sichtweisen gefördert werden.


Gedenkveranstaltungen

26.1., 10 Uhr in Wismar

„Stolpersteine Digital“: Mit der Aufnahme der Wismarer Stolpersteine wird das Erinnerungsprojekt ausgebaut. Vorstellung der erweiterten App: Montag in der Hansestadt. Weiter

26.1., 15 Uhr in Greifswald

„Stolpersteine Digital“: Das Projekt wird in Greifswald vorgestellt. Stolpersteine erinnern zum Beispiel an die Familie Cohn. Weiter

26.1. ab 20 Uhr in Greifswald

Treasure – Familie in ein fremdes Land. Film 

27.1. in Rövershagen

Keine Träne mehr. Ausstellungseröffnung

27.1. ab 10 Uhr in Wöbbelin / Ludwigslust

Landesweite Gedenkveranstaltung

27.1. ab 10 Uhr in Neustrelitz

Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus in der Marienstraße

27.1. ab 15 Uhr in Malchin

Enthüllung einer Gedenktafel am Jüdischen Friedhof Malchin

27.1. ab 15 Uhr in Rostock

Gedenken der Hanse- und Universitätsstadt Rostock zum 27. Januar auf dem Neuen Friedhof

27.1. ab 17.30 Uhr in Rostock

Nie wieder? Wie zerbrechlich ist unsere Demokratie? Vortrag und Diskussion

27.1. ab 18 Uhr in Schwerin

Gedenkkonzert des Landtages Mecklenburg-Vorpommern anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus

27.1. ab 18 Uhr in Rostock

Das geheime Stockwerk. Filmvorstellung und Diskussion 

27.1. ab 19 Uhr in Rostock

Aber wer ist schuld? Ausstellung und Film

27.1. ab 19 Uhr in Greifswald

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

27.1. ab 19 Uhr in Dömitz

Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Zeitzeugengespräch

Alle Veranstaltungen auf www.lpb-mv.de


Gedenkveranstaltung im Bundestag

Die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus wird am 28. Januar um 12 Uhr begangen. Zentrale Gedenkrednerin im Bundestag ist die Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin Tova Friedman.

Frau Friedman wurde am 7. September 1938 in Gdingen/Gdynia nahe Danzig in Polen geboren. Im Alter von fünf Jahren wurde sie mit ihrer Mutter nach Auschwitz-Birkenau deportiert und überlebte vermutlich durch einen technischen Defekt der Gaskammern. Bei den Todesmärschen im Januar 1945 gelang es ihr schließlich, sich zwischen Leichen zu verstecken. Nach dem Krieg emigrierte die Familie in die USA, sie wurde dort eine erfolgreiche Therapeutin. Tova Friedman leistet heute eine besonders wertvolle Form der Erinnerungsarbeit: Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Enkel einen TikTok-Kanal mit über 500.000 Followern, auf dem sie über den Holocaust informiert und sich regemäßig Fragen von jungen Menschen stellt. 

Die Gedenkstunde wird live auf www.bundestag.de übertragen.