
Am Donnerstag wird der Katalog zur Ausstellung „Fluide Grenze“ in der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock vorgestellt. 18 Uhr geht’s los. Dabei sind Künstlerin Marie Jeschke und Kuratorin Susanne Burmester.
Hintergrund
Marie Jeschke ist an der Ostseeküste aufgewachsen, es war immer selbstverständlich für sie, schwimmend oder mit dem Segelboot auf dem Wasser zu sein. Als sie darüber las, wie viele Menschen bei der Flucht aus der DDR in der Ostsee ums Leben gekommen waren, veränderte sich ihre Wahrnehmung. Bei sportlichen Tauchvorgängen in Gewässern bei Stralsund und Rügen ist ihr bewusst geworden, dass diese auch eine Bedrohung darstellen können. Was haben die Menschen, die fliehen wollten, im Wasser erlebt? Was hat sie bewegt, diese gefährlichen Reisen in eine andere Zukunft zu unternehmen?
Im Wunsch, den Opfern nahezukommen und deren Mut ein Denkmal zu setzen, entwickelte Marie Jeschke ein Ritual, mit dem sie den Fluchtgeschichten jenseits der Fakten nachspüren konnte. Ohne Atemgeräte tauchte sie ab, wo Leichen von Fluchtopfern gefunden wurden. Mit den Schwimmbewegungen ihres Körpers malt sie unter Wasser Bilder in eine pastos aufgetragene und mit Algenpigmenten hergestellte Farbe. Dazu geht sie eine Kollaboration mit dem Wasser ein und allem, was darin vorkommt.
Ihre Ausstellung „Fluide Grenze“, kuratiert von Susanne Burmester, ist noch bis zum 30. April 2026 in der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock zu sehen. Am 5. März findet ab 18 Uhr die Präsentation des Katalogs „Fluide Grenze“ statt.
Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock
Grüner Weg 5
18055 Rostock
Öffnungszeiten:
Dienstag und Donnerstag 10 bis 15 Uhr
Lesen Sie auch
- „Kunst muss sich in Beziehung setzen“ Das Interview mit Kuratorin Susanne Burmester – hier
- „Immer eine spannende Herausforderung“ Das Interview mit Thomas Häntzschel vom Kunstverein zu Rostock – hier
- „Ich bringe 1620 Liter Ostseewasser in die DuG – verteilt auf 135 blaue Eimer“, sagt Marie Jeschke. „Jeder Eimer steht für einen der 135 Menschen, die bei Fluchtversuchen über die Ostsee ertrunken sind.“ Das Interview – hier
Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock
Die Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Bezirk Rostock wurde Ende der 1950er Jahre errichtet. Nicht einsehbar für Außenstehende, befand sie sich auf dem Gelände der Bezirksverwaltung des MfS. Von 1960 bis 1989 inhaftierte die Staatssicherheit dort rund 4.900 Frauen und Männer, Jugendliche ab einem Alter von 15 Jahren aus überwiegend politischen Gründen. Dazu gehörten zum Beispiel die Straftatbestände „staatsfeindliche Hetze“, „staatsfeindliche Verbindungsaufnahme“ und in zunehmendem Maße „versuchte Republikflucht“. Ab den 1970er Jahren waren die Mehrheit der Inhaftierten Menschen, die versucht hatten, über Land und See aus der DDR zu fliehen. Für viele Betroffene war dies die erste Erfahrung von Haft – nach durchschnittlich vier bis sechs Monaten Untersuchungshaft unter ständiger Isolation erfolgten Verurteilungen. Danach wurden die meisten Personen in andere Gefängnisse der DDR gebracht – unter anderem nach Bützow, Bautzen, Cottbus, Hoheneck. Ein Teil der Inhaftierten verblieb nach der Verurteilung vor Ort – als Strafgefangene mussten Frauen in Küche, Wäscherei und Näherei des Gefängnisses arbeiten, Männer wurden als Handwerker eingesetzt.
Die Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Untersuchungshaft der Staatssicherheit in Rostock befindet sich seit 2021 in Trägerschaft der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Die Erinnerungs- und Bildungsarbeit am historischen Ort zeichnet sich durch Kooperationen mit vielfältigen Partner/innen unter anderem aus Kultur und Kunst aus.
www.lpb-mv.de/projekte/dug-rostock
