Mehr Raum für Erinnerungsarbeit

Die Mahn- und Gedenkstätten inklusive Anbau. Foto: Landkreis Ludwigslust-Parchim

Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin haben ihre Räumlichkeiten für Besucherinnen und Besucher erweitert. Ein neuer Anbau samt Zimmer für Unterrichtseinheiten und Veranstaltungen bietet mehr Möglichkeiten für die Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit.


Lehr- und Vermittlungsangebote seien ausgeweitet worden, Führungen und Workshops könnten künftig in modernen Räumlichkeiten stattfinden, teilte der Landkreis Ludwigslust-Parchim am Dienstag mit. Zudem seien technische Anforderungen an Ausstellungen sowie Archiv- und Büroflächen erfüllt worden. Die Kosten für die Sanierung und die Erweiterung belaufen sich auf rund 750.000 Euro. Das Geld stammt aus dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR, das der Gemeinde Wöbbelin zur Verfügung gestellt wurde.

Der Anbau samt Zimmer für Unterrichtseinheiten und Veranstaltungen.

Kulturministerin Bettina Martin hat am Dienstag die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin besucht und an der Einweihung der sanierten Innenräume und des neu errichteten Anbaus teilgenommen. Bei dieser Gelegenheit überbrachte Martin einen Zuwendungsbescheid über rund 34.000 Euro für die Inneneinrichtung der Räume. Das Geld stammt aus dem Bürgerfonds Kultur. Zudem fördert das Land in den Jahren 2026 und 2027 zwei pädagogische Stellen in den Gedenkstätten.

Kulturministerin Bettina Martin, Landrat Stefan Sternberg. Fotos: WKM

„Mit den neuen Bauten können die Mahn- und Gedenkstätte ihrer Aufgabe noch besser als bislang gerecht werden“, sagte Ministerin Martin bei der Einweihung, an der auch Landrat Stefan Sternberg, Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, und die Wöbbeliner Bürgermeisterin Viola Tonn teilnahmen. „Wöbbelin ist nicht nur ein Ort der Erinnerung – es ist ein Ort des Lernens und der politischen Bildung. Mit der Sanierung der bestehenden Gebäude und der Errichtung des neuen Anbaus, des ,Klassenzimmers´, wird die Infrastruktur für historische Bildung erheblich erweitert. Lehr- und Vermittlungsangebote können nun in modernen Räumen stattfinden, Workshops und Führungen sind zeitgemäß und barrierearm umsetzbar.“


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Baracke im KZ Wöbbelin. Foto: USHMM Washington

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Hintergrund

Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin stehen im Spannungsfeld deutscher Geschichte zwischen der Erinnerung an den Dichter Theodor Körner und dem Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Wöbbelin.

Am 27. August 1813 wurde der Dichter Carl Theodor Körner, der als Freiwilliger des Lützower Freikorps in den so genannten Befreiungskriegen gegen Napoleon in der Nähe von Gadebusch tödlich verwundet worden war, in Wöbbelin beigesetzt. Bereits 1814 wurde ein Denkmal an der Begräbnisstätte in Wöbbelin für den bekannten Schriftsteller und Patrioten errichtet. Die Mahn- und Gedenkstätten erinnern an das Leben Körners im historischen Kontext und zeigen die politisch-ideologische Vereinnahmung seines Lebens durch nachfolgende Generationen.

Im Februar 1945 wurde in der Nähe von Wöbbelin an der Landstraße nach Ludwigslust das letzte Außenlager des KZ Neuengamme eingerichtet. In der kurzen Zeit seines Bestehens war das Lager Wöbbelin Station für über 5.000 Opfer des Hitler-Regimes, unter anderem weil es ab Mitte April 1945 zum Auffanglager für mehrere Räumungstransporte aus anderen KZ-Außenlagern wurde. Die Häftlinge kamen aus mehr als 25 Nationen, fast 1.000 von ihnen starben infolge der extremen Haftbedingungen an Krankheiten, Hunger und Erschöpfung. Die letzten Opfer wurden nach der Befreiung des Lagers auf Befehl der amerikanischen Militärbehörden in Ludwigslust, Schwerin, Hagenow und Wöbbelin beigesetzt.

Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Foto: Wladimir Jankelewitsch

Bereits seit 1965 erinnert im Besucherzentrum Wöbbelin eine Ausstellung an die Opfer des Konzentrationslagers. Als Ort der Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart sind die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin heute ein Lernort von europäischer Bedeutung. Das Ziel der Erinnerungs- und historisch-politischen Bildungsarbeit ist es, Besucherinnen und Besucher bzw. Schülerinnen und Schüler sowie Erwachsene jeden Alters im Hinblick auf das im Nationalsozialismus begangene Unrecht zu sensibilisieren sowie über heutige Formen von Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus aufzuklären.


Mehr Infos

www.gedenkstaetten-woebbelin.de

Adresse

Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

Ludwigsluster Str. 2 b

19288 Wöbbelin