
In Stralsund sind am Mittwoch fünf neue Stolpersteine verlegt worden. Zugleich wurde die App „Stolpersteine Digital“ vorgestellt. Nach Schwerin sind nun auch die Stralsunder Stolpersteine in der App integriert.
Ziel des Projekts ist es, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus digital zugänglich zu machen und auf zeitgemäße Weise in die Gegenwart zu überführen.

In zahlreichen Städten und Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns sind Stolpersteine zu finden – in Stralsund wurden bislang 87 Stolpersteine und drei Stolperschwellen verlegt. Die Biografien der NS-Opfer, die nun über die App abrufbar sind, wurden von Mitgliedern der Initiative zur Erinnerung an jüdisches Leben in Stralsund zusammengetragen. Die App ist ein Projekt der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern und wurde vom öffentlich-rechtlichen IT-Dienstleister Dataport technisch umgesetzt. Sie ermöglicht es, einzelne Stolpersteine mit dem Smartphone zu scannen und so direkt auf die zugehörige Biografie zuzugreifen. Ergänzt wird das Angebot durch historische Kontexte, Kartenansichten und interaktive Funktionen: Mit Hilfe von Augmented Reality können Nutzerinnen und Nutzer eine virtuelle Kerze mit einer persönlichen Gedenkbotschaft am Stein platzieren – sichtbar für andere Nutzende der App für einen Zeitraum von sieben Tagen.
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„Mit der Integration der Stolpersteine aus Stralsund gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer digitalen Erinnerungskultur in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. „Die App ermöglicht es, Biografien sichtbar zu machen und individuelle Schicksale erfahrbar werden zu lassen – besonders für junge Menschen und Schulklassen. In einer Zeit, in der Antisemitismus wieder lauter wird, ist es unser demokratischer Auftrag, an jede einzelne Geschichte zu erinnern und die Würde der Opfer zu bewahren. Digitale Formate wie diese machen das Erinnern zugänglich, lebendig und zukunftsfähig.“
Auch Lars Mischak, Leiter Lösungen Kultur und Wissenschaft beim öffentlich-rechtlichen IT-Dienstleister Dataport, betont die Perspektiven des Projekts: „Die App verbindet Gedenken, historische Information und digitale Technik auf innovative Weise. Sie kann Menschen ansprechen, die über klassische Bildungsangebote nur schwer zu erreichen sind.“

In den kommenden Monaten sollen weitere Städte folgen – darunter Pasewalk, Rostock, Wismar und Waren. Ziel ist es, bis 2030 alle Stolpersteine in Mecklenburg-Vorpommern samt Biografien in der App zu erfassen. In den Bundesländern Schleswig-Holstein und Bremen wird die App bereits genutzt. Die Landeszentrale plant gemeinsam mit weiteren Bundesländern und Dataport eine multimediale Weiterentwicklung des Projekts.
„Diese Steine werden sprechen können“

Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Opfern des Nationalsozialismus.Zum Beispiel an die Familie Kychenthal in Schwerin. Weiter