Gedenken an Pogromnacht

Vom / Landeskunde, LpB, Zeitzeugen

Quelle: Jüdische Gemeinde Rostock

Heute, am 9. November, wird der Verfolgten des Nationalsozialismus gedacht. In Neubrandenburg zum Beispiel wird ein Erinnerungszeichen zur Bücherverbrennung 1933 enthüllt. Hier eine Auswahl der Veranstaltungen in MV.

Erinnerungszeichen zur Bücherverbrennung 1933

Neubrandenburg gedenkt des Unrechts, das am 9. November 1938 an der jüdischen Bevölkerung verübt wurde. Um 14 Uhr wird Oberbürgermeister Silvio Witt gemeinsam mit Stadtpräsident Dieter Stegemann einen Kranz zum Gedenken an die Novemberpogrome niederlegen.

Im Anschluss lädt die Stadt auf den Markt ein. Dort wird ein Erinnerungszeichen zur Bücherverbrennung 1933 enthüllt. Mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung, des Fördervereins der Regionalbibliothek und privaten Spendern ist es Neubrandenburg gelungen, ein Zeichen der Erinnerung zu installieren, das an die verfolgten und geächteten Autorinnen und Autoren erinnert, deren Werke am 31. Mai 1933 im Rahmen der Aktion „Wider den undeutschen Geist“ auf dem Neubrandenburger Marktplatz verbrannt wurden.

Nach der Enthüllung wird ins Stadtarchiv zur Lesung „Verbrannte Literatur“ von Thomas Schleissing-Niggemann eingeladen. Der Wahl-Berliner, pensionierte Lehrer und Schauspieler geht in seinem Bühnenprogramm auch auf die Ereignisse von Neubrandenburg 1933 ein. Die Lesung wird vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, dem Förderverein der Regionalbibliothek, der Landeszentrale für politische Bildung und der Stadt Neubrandenburg gefördert. Parallel dazu wird in der Regionalbibliothek die Ausstellung „Verbrannt – nicht vergessen: Bücher aus den ,Schwarzen Listen’ der NS-Bücherverbrennungen 1933 in der Sammlung Literarisches Erbe der Regionalbibliothek“ gezeigt. Weitere Infos – hier

Gedenkstunde auf dem Schlachtermarkt

Unter dem Motto „Mensch – Wer bist du?“ wird am Dienstag um 18 Uhr zu einer Gedenkstunde auf dem Schlachtermarkt in Schwerin eingeladen. Dabei soll mit Landesrabbiner Yuriy Kadnykov und der Jüdischen Gemeinde Schwerin ein Zeichen gegen die Verharmlosung der NS-Verbrechen und gegen antisemitische Vorurteile gesetzt werden, wie der Arbeitskreis „9. November 1938“ mitteilte.

In der Schweriner Paulskirche wird am selben Tag um 19 Uhr ein Schülerprojekt zu verfemter Musik erstmals öffentlich aufgeführt. Unter dem Titel „Zurück in die gemeinsame Zukunft“ hat der Heimatverband MV mit Musikern des Goethe-Gymnasiums und einem Historiker das Projekt realisiert. Weitere Infos – hier

Andacht in Greifswald

In Greifswald laden die Evangelische Studierendengemeinde und der Arbeitskreis Kirche und Judentum um 13 Uhr zu einer Andacht an der Gedenktafel am Ort des ehemaligen Betsaales der Jüdischen Gemeinde in der Mühlenstraße 10 ein. Gemeinsam mit der Stadt ist um 17 Uhr im Rathaus eine Vortrags- und Gesprächsveranstaltung mit dem polnisch-deutschen Dokumentarfilmer Michael Majerski geplant. Er wird unveröffentlichtes Filmmaterial präsentieren, in dem Zeitzeugen und pommersche Juden zu Wort kommen. Weitere Infos – hier

Weitere Veranstaltungen

  • Die Hochschule Stralsund eröffnet am Dienstag eine Ausstellung über jüdische Kaufmannsfamilien.
  • Auf dem Jüdischen Friedhof in Güstrow (Neukruger Straße) ist am Dienstag um 16 Uhr eine Andacht geplant.
  • In Rostock wird am Mittwoch (10. November, 9.30 Uhr) zu einer Andacht mit anschließendem Spaziergang zur Stele in der Augustenstraße 101 eingeladen. Treffpunkt ist am ehemaligen jüdischen Friedhof im Lindenpark. Die Rostocker Synagoge brannte in den Morgenstunden des 10. November 1938.

Hintergrund

Der Fall der Mauer, die Reichspogromnacht, die November-Revolution: Der 9. November steht für Licht und Schatten der deutschen Geschichte. Hier unser Überblick

Extra

Wanderausstellung „Zersetzung. Repressionsmethode des Staatssicherheitsdienstes“

Vor 45 Jahren setzte das Ministerium für Staatssicherheit die interne Richtlinie Nr. 1/76 „zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge“ in Kraft. Darin war erstmals von „Zersetzung“ als strategischer Maßnahme gegen „feindlich-negative Elemente“ die Rede. Seither war Zersetzung fester Bestandteil der geheimpolizeilichen Arbeit unterhalb der Ebene strafrechtlicher Verfolgung.

Den Eröffnungsvortrag hält am Dienstag um 16 Uhr die Politikwissenschaftlerin Dr. Sandra Pingel-Schliemann. Sie hat im Auftrag des Vereins Denkstätte Teehaus Trebbow e.V. die Wanderausstellung „Zersetzung. Repressionsmethode des Staatssicherheitsdienstes“ erarbeitet. Bis 28. Januar 2022 kann die Ausstellung im Dokumentationszentrum unter den geltenden Hygienemaßnahmen nach telefonischer Anmeldung besucht werden.

Ort: Dokumentationszentrum Schwerin, Obotritenring 106. Weitere Infos – hier

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