„Zersetzung. Repressionsmethode des Staatssicherheitsdienstes“

Vom / Landeskunde, Zeitzeugen

Am 9. November wird um 16 Uhr im Dokumentationszentrum Schwerin die Wanderausstellung „Zersetzung. Repressionsmethode des Staatssicherheitsdienstes“ eröffnet.

Vor 45 Jahren setzte das Ministerium für Staatssicherheit die interne Richtlinie Nr. 1/76 „zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge“ in Kraft. Darin war erstmals von „Zersetzung“ als strategischer Maßnahme gegen „feindlich-negative Elemente“ die Rede. Seither war Zersetzung fester Bestandteil der geheimpolizeilichen Arbeit unterhalb der Ebene strafrechtlicher Verfolgung.

Die Ausstellung zeigt auf, was sich hinter der Zersetzung verbarg, welche Ziele und Folgen sie hatte und wie Menschen konkret betroffen waren. Ein Beispiel.


Plötzlich gerät das Leben aus den Fugen: Da tauchen merkwürdige Gerüchte auf, man solle für die Stasi spitzeln, anonym zugesandte Fotos suggerieren, dass der Ehepartner fremdgeht, die Kinder verhalten sich merkwürdig und abweisend, der Job geht verlustig, die Fahrerlaubnis wird eingezogen, in der Wohnung sind die Handtücher unerklärlicherweise Tag für Tag anders geordnet. Dass das Ministerium für Staatssicherheit hinter all dem steckt, das ahnen die wenigsten Betroffenen. Ebenso wenig können sie erkennen, dass diese Vorgänge Teil einer planvoll eingesetzten Repressionsstrategie sind, die in der geheimpolizeilichen Arbeit ZERSETZUNG genannt wird.



Den Eröffnungsvortrag am Dienstag hält die Politikwissenschaftlerin Dr. Sandra Pingel-Schliemann. Sie hat im Auftrag des Vereins Denkstätte Teehaus Trebbow e.V. die Wanderausstellung „Zersetzung. Repressionsmethode des Staatssicherheitsdienstes“ erarbeitet. Hierfür wurden zunächst zahlreiche Archivrecherchen, u.a. bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Robert-Havemann-Gesellschaft und in Privatarchiven getätigt, Dokumente und Fotos geliefert und Zeitzeugen befragt. Gestaltet wurde die Wanderausstellung vom Grafiker Marco Pahl.

Anne Drescher als Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur wird am 9. November über den aktuellen Stand von Entschädigungsmöglichkeiten für Zersetzungsopfer informieren.

Der Eintritt ist frei. Die Ausstellungseröffnung wird unter 2-G-Vorgaben (geimpft, genesen) durchgeführt. Eine Anmeldung per Mail unter dokuzentrum-schwerin@lpb.mv-regierung.de oder telefonisch unter 0385/ 74529911 ist daher unbedingt erforderlich. Beim Einlass wird der Nachweis geprüft.

Vom 10. November 2021 bis 28. Januar 2022 kann die Wanderausstellung im Dokumentationszentrum unter den geltenden Hygienemaßnahmen (aktuell 3-G-Vorgabe: geimpft, genesen, getestet) nach telefonischer Anmeldung besucht werden.

Hintergrund

Maßnahmen der Zersetzung richteten sich gegen Einzelpersonen und Gruppen, die im Verdacht standen, gegen den SED-Staat Aktivitäten zu entwickeln, bzw. bereits entwickelt zu haben, die eine Anwendung der politischen Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch wie „staatsfeindliche Hetze“ (§106), „landesverräterische Nachrichtenübermittlung“ (§99), „ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ (§219) und „verfassungsfeindlicher Zusammenschluss“ (§107) zuließen.

Extra

Nach der Ausstellungseröffnung ist die Teilnahme am jährlichen Gedenken auf dem Schlachtermarkt/Schwerin an die Novemberpogrome von 1938 um 18 Uhr möglich.

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