
Vor 75 Jahren, am 24. Juli 1951, wurde Arno Esch im Alter von 23 Jahren im Moskauer Butyrka-Gefängnis erschossen. Bei einer Gedenkveranstaltung am Freitag wird an den Rostocker Studenten erinnert.
Gedenken
Arno Esch hatte sich gegen die von der sowjetischen Besatzungsmacht und ihren Helfern in SED und Blockparteien betriebene Gleichschaltung und Etablierung einer neuen, stalinistischen Diktatur in SBZ und DDR gewehrt.
Die Universität Rostock, der Verband ehemaliger Rostocker Studenten (VERS), die Arno-Esch-Stiftung, die Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock/Landeszentrale für politische Bildung MV, das Bundesarchiv/Stasi-Unterlagen-Archiv und der Landesbeauftragte für MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur gedenken dieses mutigen und außergewöhnlichen Mannes. Studierende der HMT Rostock begleiten die Veranstaltung musikalisch.
Wann/Wo
24. Juli ab 10 Uhr, im Foyer des Arno-Esch-Hörsaals der Universität Rostock, Haus 8, Ulmenstraße 69, 18057 Rostock
Hintergrund
Arno Esch war am 18. Oktober 1949 von der sowjetischen Geheimpolizei in Rostock verhaftet und zwei Tage später nach Schwerin in die U-Haft am Demmlerplatz überstellt worden. Dort verurteilte ihn am 20. Juli 1950 ein Sowjetisches Militärtribunal wegen angeblicher Spionage und Bildung einer konterrevolutionären Organisation zum Tode. Durch sein Engagement für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft in der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) war er in Konflikt mit den neuen Machthabern geraten. Zeitgleich wurden 13 weitere junge LDP-Mitglieder aus Mecklenburg zu langen Lagerhaftstrafen bzw. zum Tode verurteilt.
Mutiges Eintreten für Demokratie und Freiheit
Der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Burkhard Bley, würdigt Arno Esch für sein mutiges Eintreten für Demokratie und Freiheit: „Aus der bitteren Erfahrung der NS-Diktatur und des von ihr entfesselten Vernichtungskrieges heraus setzte sich Arno Esch für eine freiheitlich-demokratische Ordnung ein und leistete Widerstand gegen die Sowjetisierung der DDR. Sorgen wir alle dafür, dass Arno Esch und sein Beispiel unvergessen bleiben und lassen Sie uns gemeinsam die 1989 in der Friedlichen Revolution errungene Demokratie und Freiheit verteidigen.“
Zu langen Lagerhaftstrafen oder zum Tode verurteilt
In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR wurden bis 1955 etwa 35.000 deutsche Zivilisten von sowjetischen Militärtribunalen (SMT) zu langen Lagerhaftstrafen von 10 bis 25 Jahren verurteilt. Die Verurteilten wurden in denSpeziallagern der SBZ inhaftiert oder in die Sowjetunion in die Zwangsarbeitslager des GULag deportiert. Auch im GULag starben viele Häftlinge aufgrund der menschenunwürdigen Haftbedingungen. 3.300 bis 3.800Menschen sind von SMT zum Tode verurteilt worden. An 2.500 bis 3.000 Menschen wurde die Todesstrafe vollstreckt. Viele der Hingerichteten wurden wie auch Arno Esch kremiert und anonym in einem Massengrab für „nicht abgeholte Asche“ auf dem Moskauer Donskoje Friedhof bestattet. Viele Familien haben erst nach 1990 und insbesondere Dank der inzwischen verbotenen russischen Menschenrechtsorganisation Memorial über das Schicksal und den Verbleib ihrer Angehörigen erfahren.
Hinweise

Natalja Jeske: Arno Esch. Eine Biografie.
ISBN 978-3-933255-63-1. Schutzgebühr 10 Euro. Bestellung online unter www.landesbeauftragter.de/publikationen oder in der Geschäftsstelle des Landesbeauftragten, Telefon: 0385-734006, Fax: 0385-734007, Mail: post@lamv.mv-regierung.de
„Geknebelter Geist. Politische Überwachung und Repression an der Uni Rostock 1945-1989/90“
Ausstellung bis 31.8.2026, tgl. 10-18 Uhr, Petri-Kirche Rostock, Alter Markt 1, 18055 Rostock oder unter: www.uni-rostock.de/ausstellung-geknebelter-geist