Ausstellung zum Bäder-Antisemitismus

Foto: Plakat zur Ausstellung/Collage: Redaktion (KI-generiert)

Die Ostsee. Für jüdische Badegäste war sie bereits vor der NS-Zeit ein Ort der Ausgrenzung und Vertreibung. Eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Greifswald erinnert daran. Ihr Titel: „Ob die Möwen manchmal an mich denken?“ 

Die Ausstellung basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin und Kuratorin Kristine von Soden und thematisiert die Vertreibung jüdischer Badegäste an der Ostsee zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mit dem Aufstieg der Seebäder im Wilhelminischen Kaiserreich trat auch der „Bäder-Antisemitismus“ auf den Plan. „Judenrein!“ lautete die Parole an der Ostsee, lange bevor der NS-Staat Wirklichkeit geworden war.

Schon um 1900 brachten jüdische Zeitungen „Bäderlisten“ heraus, anhand derer sie vor Badeorten warnten, in denen jüdisches Publikum „unerwünscht“ war. Als „Judenbäder“ galten umgekehrt Orte wie Heringsdorf, wo zunächst noch eine liberale Atmosphäre herrschte.

Neben historischen Dokumenten zeigt die Ausstellung ausgewählte Texte aus Briefen und Tagebüchern, z. B. von Else Lasker-Schüler, Victor Klemperer und Mascha Kaléko. Auf diese Weise werden die beide Seiten des Strandalltags illustriert: das Naturschöne und Erholsame an der Ostsee und die zunehmende antisemitische Bedrohung. So entsteht ein vielschichtiges Bild des Strandalltags jener Zeit bis 1937, als nahezu alle Orte und Strände für jüdische Badegäste verboten waren.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit zwischen Dr. Kristine von Soden und dem Max-Samuel-Haus in Rostock. Durch das Interreg-Projekt „In terris Gryphi“ werden die Texte nun erstmals auch in polnischer und englischer Sprache präsentiert und die Ausstellung aus EFRE-Mitteln für die Programmregion Pomerania gefördert. Im Rahmen des Projekts wurden zudem historische Quellen zum Phänomen des „Bäder-Antisemitismus“ digitalisiert und über die Digitale Bibliothek MV verfügbar gemacht.

Die Ausstellung ist noch bis 31. Juli 2026 im Foyer der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald (Felix-Hausdorff-Straße 10) zu sehen. Die Bibliothek öffnet montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr, am Wochenende von 9 bis 22 Uhr. Der Eintritt ist frei.