Sechs Tipps zum Denkmaltag

Das Dachgeschoss im Dokumentationszentrum. Links und rechts befinden sich Zellen. Die Türen sind geöffnet.
Dokzentrum Schwerin; Foto: Sylvia Kuska

Am Wochenende ist Tag des offenen Denkmals. Dann öffnen auch in MV viele historische Gebäude ihre Türen. Zum Beispiel: die beiden Dokzentren in Schwerin und Rostock.



Dokzentrum Schwerin

Foto: Theres Hufmann

Das Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland öffnet sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag von 11 bis 16 Uhr seine Türen. Das 1916 errichtete Gebäude war über Jahrzehnte ein Gefängnis für Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus, der sowjetischen Besatzungszeit und der SED-Diktatur aus politischen Gründen verfolgt, inhaftiert und verurteilt wurden. Heute ist es eine Gedenkstätte und ein Lernort in Trägerschaft der Landeszentrale für politische Bildung. Sie finden das Dokzentrum Schwerin am Obotritenring 106.

Die Mitarbeiter des Hauses laden an beiden Tagen zum Besuch der Dauerausstellung, zu Führungen durch den historischen Zellentrakt sowie öffentlichen Gesprächen. Vor Ort werden auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schweriner Stasi-Unterlagen-Archivs sein. Wer möchte, kann bei ihnen auch Anträge auf persönliche Einsicht in die Stasi-Unterlagen stellen. Voraussetzung dafür ist ein gültiges Ausweisdokument. 

Geplant sind unter anderem diese Veranstaltungen:

Samstag

  • 11.30 Uhr: öffentliche Führung durch den Zellentrakt. Keine Anmeldung erforderlich. 
  • 13 Uhr: Hafterfahrung und Haftalltag. Zeitzeugengespräch. Der Vorsitzende des Förderkreises und ehemalige Inhaftierte Ralf-Peter Sooß berichtet über seine Erfahrungen am Demmlerplatz und gibt Einblick in das Erleben staatlicher Repression und Ungewissheit hinter Gittern. Keine Anmeldung erforderlich.
  • 15 Uhr: Gespräch mit der Leiterin des Stasi-Archivs. Außenstellenleiterin Corinna Kalkreuth gibt Einblicke in die Arbeit des Stasi-Unterlagenarchivs und nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise zur Entstehung der Behörde. Keine Anmeldung erforderlich. 

Sonntag

  • 11.30 Uhr: Gespräch mit der Leiterin des Stasi-Archivs. Außenstellenleiterin Corinna Kalkreuth gibt Einblicke in die Arbeit des Stasi-Unterlagenarchivs und nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise zur Entstehung der Behörde. Keine Anmeldung erforderlich. 
  • 13 Uhr: öffentliche Führung durch den Zellentrakt. Keine Anmeldung erforderlich. 
  • 15 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Heiko Lietz. Der Bürgerrechtler berichtet über die friedliche Revolution, den Umbruch im Herbst ’89 in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Erstürmung und Aneignung der Repressionsapparate durch die Bevölkerung. Ein Gespräch über den Kampf für Freiheit und die Entstehung der heutigen Erinnerungskultur. Keine Anmeldung erforderlich. 

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Die DuG Rostock

Foto: Jörn Lehmann

Die Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Untersuchungshaft der Staatssicherheit Rostock macht am Sonntag von 10 bis 17 Uhr beim Tag des offenen Denkmals mit. Das Untersuchungsgefängnis wurde Ende der 1950er-Jahre errichtet. Bis 1989 inhaftierte die Staatssicherheit dort rund 4.900 Frauen und Männer, überwiegend aus politischen Gründen. Heute leistet die DuG Rostock in Trägerschaft der Landeszentrale für politische Bildung vielfältige Erinnerungs- und Bildungsarbeit. Sie finden die DuG Rostock im Grünen Weg 5. 

Für Sonntag sind unter anderem diese Veranstaltungen geplant: 

  • 13.30 Uhr: Andreas Petersen: „Der Osten und das Unbewusste. Wie Freud im Kollektiv verschwand“. Lesung. In seinem Buch verfolgt der Historiker und Publizist die historischen Linien des Unbewussten in Ost und West. Er beschreibt, wie die Tiefenpsychologie in der Sowjetunion zunächst gefördert, dann in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts verworfen wurde. Während es in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem „psychological turn“ kam, blieb das Unbewusste in Osteuropa offiziell tabu. Dies galt bis 1989 – mit Folgen bis in die Gegenwart.
  • 15.30 Uhr: Andreas Petersen: „Die Moskauer. Wie das Stalintrauma die DDR prägte“. Lesung und Gespräch. Die DDR war geprägt von Paranoia und Denunziation. Petersen erzählt in seinem Buch, wie es dazu kam und erkundet das Trauma der Gründergeneration um Pieck und Ulbricht.

Die Plätze für beide Veranstaltungen sind begrenzt. Deshalb wird um Anmeldung gebeten – unter dug-rostock@lpb.mv-regierung.de oder 0385/58818983.

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Teehaus Trebbow

Am 20. Juli 1944 versucht Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Hitler im Führerbunker in Ostpreußen zu töten. Bei den Vorbereitungen für das Attentat spielte auch ein Teepavillon in Klein Trebbow eine Rolle. Zum Tag des offenen Denkmals können Besucherinnen und Besucher von 10 bis 15 Uhr das Teehaus und die aktuelle Ausstellung besichtigen. (Foto: © Sylvia Kuska) Mehr… 


Hinter einem Drahtzaun steht der Grenzturm.

Ostseegrenzturm Kühlungsborn

Von ehemals 27 Grenztürmen an der Küste der DDR sind nur noch zwei erhalten. Einer davon steht in Kühlungsborn. Er öffnet am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Besucher können unter anderem mit Menschen, die die Flucht gewagt haben, ins Gespräch kommen. (Foto: © Wiebke Marcinkowski) Mehr… 


Wolhynier-Museum

Das Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow ist ein Bildungs- und Dokumentationszentrum. Mit vielfältigen Exponaten veranschaulicht es Migration, Siedlung und Lebensweise der Wolhyniendeutschen. Zum Tag des offenen Denkmals öffnet es von 10 bis 17 Uhr. 15 Uhr liest Mariana Hrytsuniak Gedichte aus ihren Werken „Mutters Hemd“ und „Ukraine im Krieg“. (Foto: © Wikipedia, Silvio John/Elsterwerda) Mehr… 


Dokumentationszentrum Prora

Der 4,5 Kilometer lange Gebäudekoloss in Prora wurde von 1937 und 1939 errichtet, jedoch nie für die vorgesehenen massentouristischen Zwecke fertiggestellt. Das Gebäude ist eines der größten geschlossenen architektonischen Hinterlassenschaften aus der Zeit des Nationalsozialismus. Zum Tag des offenen Denkmals können Besucher zwischen 11 und 16 Uhr einen Blick hinter die Kulissen der Abschnitte „Theaterbau“ und „Stabsgebäude“ werfen. Anmeldefrist für die Führungen: 12. September, 18 Uhr. Kontakt: prora@prora.eu oder 038393/13991. (Foto: © Dokumentationszentrum Prora) Mehr…


Stichwort: Tag des offenen Denkmals

Der Tag des offenen Denkmals findet immer am 2. Sonntag im September statt. Er wird bundesweit koordiniert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und vor Ort von privaten Denkmaleigentümern, haupt- und ehrenamtlichen Denkmalpflegern sowie Vereinen mit Leben gefüllt. Leitidee hinter dem Aktionstag ist, Denkmalschutz live zu erleben und stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Seinen Ursprung hat er in Frankreich. Dort rief der frühere Kulturminister Jack Lang 1984 die „Journées Portes ouvertes dans les monuments historiques” ins Leben. Die Resonanz war groß. Weitere Länder folgten dem Beispiel. 1991 griff der Europarat die Idee auf und rief offiziell die European Heritage Days aus. Seit 1993 findet der Tag des offenen Denkmals auch in Deutschland statt. Er steht jedes Jahr unter einem anderen Motto. In diesem Jahr lautet es: „NetzWERKE Denkmale & Infrastruktur“. Bundesweit machen am Sonntag mehr als 6500 Denkmäler mit – rund 270 davon in MV. Mehr Infos unter www.tag-des-offenen-denkmals.de