Gedenken an Harry Krause

Das Denkmal für Harry Krause. Foto: Grenzhus

In Groß Thurow wird am 13. August um 16 Uhr eine Stele für Harry Krause eingeweiht. Der Zehnjährige wurde am 31. Januar 1951 beim Schlittschuhlaufen auf dem Goldensee von einem Wachtmeister der DDR-Grenzpolizei erschossen.


Die Tat

Die DDR-Behörden vertuschten die Tat. Der Schütze blieb straflos. Die Familie wurde eingeschüchtert und aus dem Grenzgebiet zwangsausgesiedelt. Selbst das Grab durfte sie nicht mehr besuchen. Das Schicksal von Harry Krause steht exemplarisch für alle Opfer des DDR-Grenzregimes.


Gedenken

Vor 65 Jahren riegelte die SED-Führung die DDR endgültig ab. Mit einem Gedenken an Grenzopfer Harry Krause in Groß Thurow und einer Veranstaltung zum Grünen Band in Schlagsdorf erinnern am 13. August der Landesbeauftragte für MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Landeszentrale für politische Bildung MV, das Projekt Natur- und Kulturraum Grünes Band von BUND und Deutschem Kulturrat e.V. und das Grenzhus Schlagsdorf an den Mauerbau 1961 in Berlin. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung an tagung@lamv.mv-regierung.de wird gebeten.

Unmenschliches Grenzregime

Am 13. August 1961 versperrte die SED-Führung den Bürgern der DDR endgültig den Weg in die Freiheit und errichtete zur Sicherung ihrer Macht ein unmenschliches Grenzregime. Von 1948 bis 1989 kamen am „Eisernen Vorhang“ mindestens 429 Menschen bei ihrer Flucht aus der sowjetischen Besatzungszone oder der DDR zu Tode, darunter 103 Menschen in Berlin und 133 Menschen an der innerdeutschen Grenze.

Erinnerungszeichen für Harry Krause

Der Künstler Götz Schallenberg schuf das Erinnerungszeichen für Harry Krause, initiiert durch eine Spende Schweriner Schüler. Die 2016 auf dem Gelände der Begegnungsstätte am Goldensee aufgestellte Stele wird nun aus baulichen, inhaltlichen und praktischen Erwägungen an einen öffentlichen Ort in Groß Thurow mit direkter Sicht auf den See umgesetzt.

Grünes Band

Aus dem einstigen Todesstreifen ist heute das Grüne Band geworden: ein Rückzugsraum für seltene Arten und ein Symbol für die Überwindung der deutschen Teilung. Deutschlands größter zusammenhängender Biotopverbund wurde 2024 auf die deutsche Vorschlagsliste als UNESCO-Weltnaturerbe gesetzt.

App wird vorgestellt

Im Dorfgemeinschaftshaus Schlagsdorf stellt am 13. August um 17 Uhr der berlinHistory e.V seine Grüne-Band-App vor, multimedial, mit szenischer Lesung und musikalischer Untermalung. In einem Impuls „Auf dem Weg zum Welterbe“ ordnet Jörn Brunotte vom Vorläufigen Welterbe-Büro ab 18 Uhr den Stand des Bewerbungsprozesses und die Bedeutung des Welterbe-Titels ein. Die Teilnehmer des anschließenden Podiums diskutieren über das Grüne Band zu Fragen der Erinnerungskultur, zu Naturschutz und Denkmalschutz, mit Perspektive auf Europa, den Bund und die Länder MV und Schleswig-Holstein.




Gedenken in Schwerin

Zum gemeinsamen Gedenken an den 65. Jahrestag des Mauerbaus laden die Landeshauptstadt Schwerin, die Landeszentrale für politische Bildung und der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur am 13. August um 10 Uhr am Demmlerplatz in Schwerin ein.

Berliner Mauer als Symbol der innerdeutschen Teilung

Am 15. Juni 1961 erklärte der DDR-Staats- und SED-Parteichef Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Nur 59 Tage später, in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961, begann der Bau der Berliner Mauer. Tausende Soldaten und Polizisten riegelten die 80 offiziellen Übergänge ab. Straßen wurden aufgerissen und Zäune errichtet. Hunderte Menschen kamen durch das Grenzregime der SED an der Berliner Mauer und der Grenze an Land und See ums Leben. Die Berliner Mauer entwickelte sich zum Symbol der innerdeutschen Teilung bis 1989. 

Sperrzonen bereits ab 1952

Außerhalb Berlins aber wurden bereits ab dem Jahr 1952 Sperrzonen an der innerdeutschen Grenze eingerichtet. Die Anlagen waren nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet. Die Grenzanlagen wurden durch doppelte Stacheldrahtzäune gesichert und später durch Minen, Hunde und Selbstschussanlagen ergänzt, um eine hermetische Abriegelung zu gewährleisten. Im Dezember 1957 wurde durch eine Änderung des Passgesetzes jeder Versuch, die DDR zu verlassen, zu einer strafbaren Handlung erklärt.

„Erinnerung ist kein Blick zurück, sie ist ein Auftrag für unsere Zukunft.“

Mandy Pfeifer, Stadtpräsidentin der Landeshauptstadt Schwerin, erklärt: „Viele Menschen erinnern sich an ihre Jugend in der DDR – an die erste Fahrt auf der Simson, an Freundschaften, an unbeschwerte Momente. Diese Erinnerungen gehören zu ihrer Lebensgeschichte und verdienen Respekt. Sie dürfen aber niemals darüber hinwegtäuschen, dass die DDR eine Diktatur war. Sie hat Menschen eingesperrt, Familien getrennt, viel Leid gebracht und einigen sogar das Leben gekostet. Gerade deshalb müssen wir jungen Menschen vermitteln, was die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung dem Osten geschenkt haben: Freiheit, Demokratie und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten. Erinnerung ist kein Blick zurück, sie ist ein Auftrag für unsere Zukunft.“

„…wie kostbar Demokratie, Freiheit und Menschenrechte sind“

Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, führt aus: „An der 231 Kilometer langen Grenze in Mecklenburg starben mehr als 30 Menschen, mindestens 135 Menschen kamen bei Fluchtversuchen in der Ostsee ums Leben. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Zahlreiche weitere Menschen wurden bei dem Versuch oder bei der Planung ihrer Flucht verhaftet und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Grenze, ihre Opfer und das Leid, das sie bedeutet hat, erinnern uns auch heute daran, wie kostbar Demokratie, Freiheit und Menschenrechte sind.“

„Wir gedenken an diesem Tag der Opfer des SED-Unrechts.“

Burkhard Bley, Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur für Mecklenburg-Vorpommern, ergänzt: „Mit dem Mauerbau vom 13. August 1961 schloss sich für die Menschen in der DDR endgültig der Eiserne Vorhang. Die SED-Führung errichtete gegen das eigene Volk ein perfides und unmenschliches Grenzregime. Wir gedenken an diesem Tag der Opfer des SED-Unrechts und setzen ein Zeichen für Demokratie und Freiheit.“

Termin

Donnerstag, 13. August 2026, 10 Uhr, Demmlerplatz Schwerin, an der Tafel für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft. Das Gerichtsgebäude am Demmlerplatz diente als Sitz der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit. Hier befand sich auch das Untersuchungsgefängnis, in dem Menschen nach Fluchtversuchen inhaftiert, isoliert, verhört und psychisch unter Druck gesetzt worden waren. Am 13. August 2026 soll an all jene erinnert werden, die Opfer des DDR-Grenzregimes geworden sind.