
„Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze in Westmecklenburg.“ Der Erinnerungstag findet am 20. Juni im Dorfgemeinschaftshaus in Schlagsdorf und am Gedenk- und Lernpfad für das geschleifte Dorf Lankow statt. Hier der Hintergrund und das Programm.
Hintergrund
In zwei Aussiedlungsaktionen 1952 und 1961 verloren mehr als 3.000 Menschen aus den Dörfern im Grenzsperrgebiet in Westmecklenburg ihre Heimat. Sie traf der Verwurf, im Sinne der Machthaber politische nicht zuverlässig zu sein. Innerhalb von wenigen Stunden mussten sie ihre Sachen packen und wurden in das Innere der DDR transportiert, wo sie häufig unter widrigen Umständen ein neues Leben beginnen mussten. Bis 1990 konnten sie nicht in ihre Heimatdörfer zurück. Für die Zurückgebliebenen wirkten die beiden Zwangsaussiedlungswellen wie eine Disziplinierung für das weitere Leben im Sperrgebiet. Danach gab es immer wieder einzelne Fälle von Zwangsaussiedlungen, weil ein Familienmitglied erfolgreich in den Westen geflohen war oder andere Straftatvorwürfe anhängig waren. Seit den 1970er Jahren fielen ganze Dörfer im 500-Meter-Streifen den ausufernden Sperranlagen zum Opfer, die geschleiften Dörfer. Heute erinnern hier Gedenksteine an die ehemaligen Ortslagen.
Erinnerungstag
…am kommenden Samstag von 10 bis 16 Uhr. Erinnert wird an die Menschen, ihre Schicksale und die geschleiften Orte in der ehemaligen Grenzregion.
- Das Programm der Veranstaltung vereint historische Aufarbeitung, die Vermittlung der Geschichte und Fragen des öffentlichen Erinnerns. Fachleute berichten über ihre Arbeit und kommen mit den Gästen der Veranstaltung ins Gespräch. Prof. Hope Harrison aus den USA beschäftigt sich mit dem DDR-Grenzregime entlang der Ostseeküste. Dr. Felix Ludwig von der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn spricht über die Erfahrungen bei der Vermittlung der Geschichte der Zwangsaussiedlungen.
- Ein aktueller Bezug wird durch den Vortrag von Martina Liedke von Amnesty International hergestellt. Sie spricht über Flucht und Vertreibungen im aktuellen Bürgerkrieg im Sudan.
- Die Gedenkveranstaltung wird traditionell am Gedenkstein für das geschleifte Dorf Lankow stattfinden. Die Andacht hält die Pastorin Ulrike Kurzweg von der Kirchengemeinde Carlow-Schlagsdorf.
Programm
10 Uhr
Begrüßung und Einführung
Burkhard Bley (Landesbeauftragter MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur)
10.15 Uhr
Dr. Andreas Wagner (Grenzhus Schlagsdorf) – Die Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsaussiedlungen in Westmecklenburg – eine Einführung
10.45 Uhr
Prof. Hope Harrison (George-Washington-Universität, z. Zt. Krupp Kolleg Greifswald) – Leben mit dem DDR-Grenzregime an der Ostseeküste
11.30 Uhr
Kaffeepause
11.45 Uhr
Dr. Felix Ludwig (Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn) – Das Haus der Perschkes – Zwangsaussiedlungen in der Vermittlung der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
12.30 Uhr
Diskussionsrunde: Erfahrungen mit dem Erinnern und der Rehabilitierung
13 Uhr
Mittagsimbiss
13.30 Uhr
Martina Liedke (Amnesty International, Amnesty Kogruppe Sudan/Südsudan) – Flucht und Vertreibung im Sudan. Menschenrechtsverletzungen und ihre Hintergründe
14.30 Uhr
Wechsel zum Gedenk- und Lernpfad für das geschleifte Dorf Lankow
15 Uhr
Begrüßung Udo Wachtel (Bürgermeister Dechow) und Andacht Pastorin Ulrike Kurzweg (Evang. Kirchgemeinde Carlow-Schlagsdorf)
Abschluss bei Kaffee und Kuchen am Gedenkort
Dorfgemeinschaftshaus Schlagsdorf
19217 Schlagsdorf, Am Bülten 5
Parkplätze vor dem Dorfgemeinschaftshaus oder der Regionalschule (Hauptstraße 18 A)
Anmeldung
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung unter Tel.: 038875/20326 oder Mail: info@grenzhus.de ist notwendig.
Grenzhus Schlagsdorf, 19217 Schlagsdorf, Neubauernweg 1

Der Erinnerungstag wird gefördert vom Landesbeauftragten Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Landeszentrale für politische Bildung MV und dem Landkreis Nordwestmecklenburg. Die Kirchgemeinde Carlow-Schlagsdorf, das Biosphärenreservat Schaalsee und die Gemeinde Dechow unterstützen die Veranstaltung.