Klare Kante und Dialog

Gruppenbild auf der Sommertagung am Donnerstag in Greifswald. Fotos: LpB

Fünf Workshops, zwei Vorträge, ein Thema: „Klare Kante und Dialog – Demokratie lebt vom Mitmachen.“ Zur Sommertagung der Landeskoordinierungsstelle für Demokratie und Toleranz in der LpB MV und des Bündnisses „WIR. Erfolg braucht Vielfalt“ kamen am Donnerstag mehr als 100 Teilnehmende nach Greifswald.


Die Tagung

Mehr als 100 Teilnehmende waren dabei.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, wie die Demokratie durch eine aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Prozessen und gesellschaftlichen Diskussionen gestärkt werden kann. Insbesondere wurde erörtert, wie Menschen, die der demokratischen Praxis skeptisch gegenüberstehen, wieder für eine Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens gewonnen werden können. Zugleich wurde darüber debattiert, wo gegenüber demokratiefeindlichen und extremistischen Bestrebungen klare Grenzen gesetzt werden müssen, sowohl im direkten Umfeld als auch in der digitalen Welt.

Einblick in Dialog- und Beteiligungsformate

Tobias Schreiber begrüßte die Teilnehmenden im Namen der Universitäts- und Hansestadt Greifswald und gab Einblicke in die verschiedenen Dialog- und Beteiligungsformate in Greifswald, die von Moderation kommunaler Konflikte, beispielsweise den Umgang mit einem alten Garagenkomplex, bis zu Bürgerräten reichen.

Staatssekretärin Susanne Bowen vom Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten dankte den Teilnehmenden der Fachtagung für ihre Arbeit und das Engagement: „Wir blicken in diesem Jahr auf 20 Jahre ,Landesprogramm Demokratie und Toleranz gemeinsam stärken!’ zurück – und auf das in dieser Zeit Aufgebaute dürfen alle Akteure zu Recht stolz sein. Seien Sie gewiss, dass sich das Kulturministerium auch künftig für die Beratungs- und Unterstützungsstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern einsetzen wird.“

Jährliches Netzwerktreffen

Die Sommertagung fand im Rahmen des Landesprogramms „Demokratie und Toleranz gemeinsam stärken!“ statt. Einmal jährlich versammelt das Netzwerktreffen die Akteure aus dem landesweiten Beratungsnetzwerk Demokratie und Toleranz, aus Projekten der Bundesprogramme „Demokratie leben!“, „Zusammenhalt durch Teilhabe“ sowie aus weiteren Projekten, Initiativen und der Verwaltung.

Ergebnisse des Deutschland-Monitors

Den Auftakt am Donnerstag bildete Tobias Jaeck von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit seinem Vortrag „Demokratie auf dem Prüfstand – Ergebnisse des Deutschland-Monitors“. Er stellte Ergebnisse des letzten Deutschland-Monitors vor, einer Studie, die langfristige Veränderungen gesellschaftlicher Stimmungslagen untersucht. Er ging auf die Auswirkungen von Krisen- und Transformationserfahrungen sowie demografischer Entwicklungen ein und zeigte langfristige Entwicklungen bei Engagement und Wahlbeteiligung sowie bei der Demokratiezufriedenheit und dem Institutionenvertrauen auf.

Blick auf ländliche Räume

Einen Blick auf die ländlichen Räume warf David Jugel von der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie an der Technischen Universität Dresden in seinem Vortrag „Brückenräume, Rucksackveranstaltungen und Entlastungsangebote – Herausforderungen in ländlichen Regionen als Möglichkeitsräume der politischen Bildung nutzen“. Er präsentierte Ergebnisse der Studie Demokratische Bildung im ländlichen Raum, die u.a. auf Interviews mit Praktikerinnen und Praktikern der Bildungsarbeit beruhen. Jugel skizzierte verschiedene Spannungsfelder als Herausforderung für die politische Bildung in ländlichen Räumen, stellte aber anhand konkreter Beispiele auch Ansätze für gelingende demokratische Bildung jenseits urbaner Räume vor und lud dazu ein, neue Formate auszuprobieren.  

Fünf Workshops

In den sich anschließenden fünf Workshops tauschten sich die Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker dazu aus, wie man einerseits demokratiefeindlichen Bestrebungen wirksam begegnet und wie anderseits die Beteiligung an demokratischen Prozessen gestärkt werden kann. Der Bogen reichte dabei vom Umgang mit Radikalisierungsprozessen im pädagogischen Raum über die Vorstellung unterschiedlicher Dialogformate bis zu Ansätzen, wie die Demokratie auch im digitalen Raum gestärkt werden kann.

Der Büchertisch auf der Sommertagung

Hintergrund

Das im April 2006 vom Landtag verabschiedete Landesprogramm war Ausdruck des gemeinsamen Willens der damals im Landtag vertretenen Fraktionen, Mecklenburg-Vorpommern nach den Grundprinzipien von Demokratie und Toleranz zu entwickeln und Rechtsextremismus, Antisemitismus, Gewalt und Rassismus einzudämmen. Es gibt hierzu einen breiten Konsens im politischen Raum, dem seit 2006 wiederholt mit fraktionsübergreifenden Anträgen Ausdruck verliehen wurde. Die dazugehörige Umsetzungsstrategie unterlegt das Landesprogramm mit über 200 konkreten Maßnahmen aller Ressorts.

Die Federführung für das gesamte Landesprogramm liegt seit 2012 bei der Landeskoordinierungsstelle für Demokratie und Toleranz in der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.

Die Umsetzung des Landesprogrammes wird maßgeblich aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus, aus Mitteln des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ sowie aus Landesmitteln finanziert.