
Donnerstag um 19 Uhr im Rathaussaal Demmin (Am Markt 1) – der Vortrag von Christoph Wunnicke zum Thema: Die Geschichte des Antisemitismus in Demmin und der Region. Der Eintritt ist frei.
Hintergrund
Die Geschichte des Judenhasses ist lang. Sie reicht zurück vom antiken Antijudaismus bis in die Gegenwart. In Vorpommern entwickelte sich Antisemitismus seit dem frühen 19. Jahrhundert aus nationalistischen und völkischen Denkmustern, wie sie Friedrich Rühs und Ernst Moritz Arndt in Greifswald prägten. Ende des Jahrhunderts radikalisierten Agitatoren wie Hermann Ahlwardt aus Krien bei Anklam und der Verleger Wilhelm Bruhn aus Saal diese Ideen zu politischer Hetze und Massenmobilisierung.
Vortrag und Diskussion
Der Vortrag des Historikers Christoph Wunnicke zeichnet diese Entwicklungen anhand regionaler Quellen, Biografien und Ereignisse nach. Im Anschluss an seinen Vortrag sind alle Interessierten eingeladen, gemeinsam zu diskutieren.
Täterkarrieren setzten sich fort
Auch Demmin war Teil dieser Entwicklung. Um 1847 entstand hier eine jüdische Gemeinde mit über 140 Mitgliedern, doch Ausgrenzung und Ressentiments wirkten früh. In der Weimarer Republik gewannen völkische Kräfte an Einfluss, etwa durch den aus Demmin stammenden Wilhelm Lexow, später Funktionär der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. 1933 erreichte die Partei in Demmin über 50 Prozent der Stimmen, Im Herbst des Jahres 1938 gipfelte der Judenhass in einer Massenkundgebung nach der Reichspogromnacht. Täterkarrieren von Antisemiten setzten sich auch nach dem Dritten Reich fort. Wie die von Hans-Adolf Asbach, der aus Demmin stammte und nach 1945 unbehelligt blieb.
Kein abgeschlossenes Kapitel
Judenhass ist kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte, vielmehr eine fortdauernde Herausfoderung angesichts aggressiver Angriffe auf jüdisches Leben in Europa und der offenen antisemitischen Mobilisierungen bis in die Mitte der Gesellschaft.
Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zu Fragen und zu einer offenen Diskussion – auch darüber, was historische Analysen für den heutigen Umgang mit Judenhass bedeuten können.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Aktionswoche „Demmin ist mehr“ von:
DemokratieLaden Anklam / LpB MV in Zusammenarbeit mit der Hansestadt Demmin und der Partnerschaft für Demokratie Demmin