Gedenken an Michael Gartenschläger

Im Sommer 2025 legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Radtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze am Gartenschläger-Eck einen Kranz nieder. Foto: B.Bley/LAMV

In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1976 wurde Michael Gartenschläger von einem Stasi-Spezialkommando beim Versuch erschossen, eine Selbstschussanlage SM-70 abzumontieren. Zum 50. Todestag wird im Grenzhus Schlagsdorf, am „Gartenschläger-Eck“ bei Büchen und auf dem Waldfriedhof Schwerin an Michael Gartenschläger erinnert.


30. April um 15 Uhr

Zum Gedenken laden der Freundeskreis Michael Gartenschläger, das Grenzhus Schlagsdorf und der Landesbeauftragte für MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur am 30. April um 15 Uhr zu einer Veranstaltung in das Café Grenzstein ein. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung an tagung@lamv.mv-regierung.de wird gebeten.

Nach einem Grußwort der SED-Opferbeauftragten im Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, und einer Einführung durch den Landesbeauftragten Burkhard Bley stellen Schülerinnen des Gymnasiums Wentorf ihren preisgekrönten Podcast über das Leben Michael Gartenschlägers vor. Der Leiter des Grenzhus, Dr. Andreas Wagner, wird mit Zeitzeugen wie Thomas Köckeritz, dem Neffen von Michael Gartenschläger, Wolfgang Wiese vom Freundeskreis, dem ehemaligen Zollbeamten Dieter Schmidt und der Schöffin im Prozess gegen die Todesschützen, Gerlinde Haker, ins Gespräch kommen. Im Anschluss wird im Grenzhus die Ausstellung „DDR-Jugendopposition / Das Schicksal Michael Gartenschlägers“ eröffnet.

1. Mai um 12 Uhr

Am 1. Mai um 12 Uhr laden die Veranstalter zum Gedenken am sogenannten Gartenschläger-Eck zwischen Leisterförde und Bröthen ein, an dem Ort, wo Michael Gartenschläger erschossen wurde und Freunde auf bundesdeutscher Seite in Schleswig-Holstein ein Gedenkkreuz errichteten. Worte des Gedenkens sprechen Birgit Hesse, die Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Wiese vom Freundeskreis, der Landesbeauftragte Burkhard Bley, Dr. Christoph Mager, Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg und Vertreter des Bundesvorstands der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. (VOS).

1. Mai um 15 Uhr

Am 1. Mai um 15 Uhr wird der Landesbeauftragte Burkhard Bley am Ehrengrab für Michael Gartenschläger auf dem Waldfriedhof Schwerin (Am Krebsbach 1, 19061 Schwerin) mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute an Michael Gartenschläger erinnern.


Hintergrund

Vor 50 Jahren wurde Michael Gartenschläger von einem Stasi-Spezialkommando in der Nähe von Büchen an der DDR-Staatsgrenze erschossen. Seine sterblichen Überreste wurden unter äußerster Geheimhaltung in Schwerin als „unbekannte Wasserleiche“ namenlos auf dem Schweriner Waldfriedhof beigesetzt. Die Grablage wurde nach 1990 zu einem Ehrengrab umgestaltet.

DDR hatte Existenz der Todesautomaten geleugnet

Der Verdienst von Michael Gartenschläger liegt darin, dass er mit dem mehrfachen Abbau einer Selbstschussanlage SM-70 von der Grenze die Unmenschlichkeit des DDR-Grenzregimes in der Öffentlichkeit bloßstellte. Die DDR hatte die Existenz der Todesautomaten stets geleugnet.

Als junger Mensch protestierte Michael Gartenschläger gegen den Mauerbau 1961 und die Unfreiheit in der DDR mit dem Aufmalen von Forderungen wie z.B. „Macht das Tor auf“ auf Hauswände. Er beteiligte sich allerdings auch an einer Brandstiftung, in dessen Folge eine Scheune abbrannte. In einem Schauprozess wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Erst nach fast 10 Jahren Haft wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Vom Westen aus betätigte er sich als Fluchthelfer.

Maßnahmeplan der Hauptabteilung I des Ministeriums für Staatssicherheit

Im Maßnahmeplan der Hauptabteilung I des Ministeriums für Staatssicherheit vom April 1976 wurde der Einsatzkompanie aufgetragen, den Täter „festzunehmen bzw. zu vernichten“. Neun der über 80 auf ihn abgefeuerten Schüsse trafen Michael Gartenschläger und verletzten ihn tödlich. Drei beteiligte Schützen mussten sich 1999 bis 2000 vor dem Landgericht Schwerin wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes verantworten. Weil nicht widerlegt werden konnte, dass die Stasi-Einsatzkräfte in einem angeblichen Schusswechsel mit Gartenschläger in Notwehr gehandelt hätten, wurden sie freigesprochen.

Von 1971 an bis zum Abbau 1984 waren an der Westgrenze der DDR auf 447 Kilometern insgesamt etwa 60.000 Splitterminen SM-70 installiert worden. Eine ausgelöste Splittermine verschoss etwa 100 scharfkantige Stahlsplitter und sollte Flüchtige tödlich oder schwer verletzen und damit den Grenzübertritt verhindern.


Buchtipp

Andreas Frost
Michael Gartenschläger: Der Prozess. Mutmaßliches DDR-Unrecht vor einem bundesdeutschen Gericht

ISBN 978-3-933255-15-0. Schutzgebühr 6,- Euro

Das Buch ist auch erhältlich in der Geschäftsstelle des Landesbeauftragten Tel.: 0385-734006, Fax: 0385-734007, Mail: post@lamv.mv-regierung.de