In Schwerin zum Tode verurteilt

Foto: Marcel Rogge, Wikipdia

Das Gespräch mit Dr. Natalja Jeske und Anne Drescher am 16. April im Landgericht. Thema: Vom sowjetischen Militärtribunal in Schwerin zum Tode verurteilt.


Hintergrund

Mit dem Kriegsende 1945 und der Befreiung vom NS-Regime errichtete die sowjetische Besatzungsmacht im Osten Deutschlands eine neue Diktatur. Die Historikerin Dr. Natalja Jeske und die ehemalige Landesbeauftragte Anne Drescher sprechen über ihre Forschungen zur sowjetischen Repression in der frühen DDR am historischen Ort – im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Schwerin. In den Jahren 1950 bis 1955 wurden hier mehr als 100 Zivilisten von einem Sowjetischen Militärtribunal verurteilt und in Moskau hingerichtet. Über Hintergründe und Schicksale dieser Menschen berichtet die Dr. Natalja Jeske aus ihrem Forschungsprojekt beim Landesbeauftragten.


Arno Esch

Foto: Archiv

Arno Esch wurde vom Sowjetischen Militärtribunal in Schwerin zum Tode verurteilt und 1951 in Moskau hingerichtet. Der Student hatte sich für Demokratie und Freiheit eingesetzt.

Arno Esch (geboren am 6. Februar 1928) hatte an der Universität Rostock Rechtswissenschaften studiert und geriet durch sein Engagement für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft in der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) in Konflikt mit SED und sowjetischer Besatzungsmacht. Im Oktober 1949 wurde er vom sowjetischen Geheimdienst MGB in Rostock verhaftet und bald darauf in das Untersuchungsgefängnis am Schweriner Demmlerplatz gebracht. Im Schwurgerichtssaal des Schweriner Justizgebäudes wurde Arno Esch am 20. Juli 1950 von einem Sowjetischen Militärtribunal wegen angeblicher Spionage und Bildung einer konterrevolutionären Organisation zum Tode verurteilt.

Nach seiner Deportation in die Sowjetunion und erneuter Verurteilung im Mai 1951 wurde das Todesurteil am 24. Juli 1951 durch Erschießen im Moskauer Butyrka-Gefängnis vollstreckt. Im Zusammenhang mit der Verfolgung von Arno Esch wurden 13 weitere junge LDP-Mitglieder aus Mecklenburg verhaftet und hingerichtet oder zu langen Lagerhaftstrafen verurteilt.


Kompakt

Vom sowjetischen Militärtribunal in Schwerin zum Tode verurteilt

16.4.2026 | 18 Uhr | Landgericht Schwerin
Demmlerplatz 1-2

Eintritt: frei

Veranstalter/innen

Heinrich-Böll-Stiftung MV
Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur
Landeszentrale für politische Bildung MV


Ausstellung

Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete und in Russland inzwischen verbotene Menschenrechtsorganisation Memorial. Ihrem Wirken widmet sich die Ausstellung „Das andere Russland. Memorial: 35 Jahre Kampf um historische Wahrheit und Demokratie“ im Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland (Obotritenring 106 • 19053 Schwerin).

Ausstellungs- und Besichtigungszeit
bis 30.4.2026, Di – Fr, 12.30 – 16 Uhr und nach Absprache (Tel: 0385 745299-11)

Mail: dokuzentrum-schwerin@lpb.mv-regierung.de