Gemeinsame Gedenkstättentagung in Kiel

Denkmal für 18 tote Soldaten der Torpedowaffe an der Petruskirche in Kiel-Wik, errichtet 1927. Foto: Jan Petersen, sh-kunst.de

Was kann, was muss historisch-politische Bildungsarbeit unter den verschärften Bedingungen der heutigen Zeit leisten – und wo liegen ihre Grenzen? Zeitenwende. Das Thema vom 5. bis 7. Juni in Kiel, bei der 4. Gemeinsamen Gedenkstättentagung Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.


Hintergrund

Der 24. Februar 2022 markiert eine tiefgreifende Zäsur unserer Zeit. Mit dem seither andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Machtwechsel in den USA seit dem 20. Januar 2025 sind maßgebliche Koordinaten bisheriger politischer Orientierung brüchig geworden. Sicherheits-und militärpolitische, aber auch erinnerungskulturelle Gewissheiten sind infrage gestellt.

„Zeitenwenden“ sehen wir vielerorts

„Zeitenwenden“ sehen wir vielerorts: im demokratiebedrohenden Aufstieg von rechtspopulistischen und rechts-extremistischen Parteien, im virulenten, oft gewalttätigen Rassismus und Antisemitismus sowie in anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, in der fatal inhumanen migrationspolitischen Polarisierung, in der wissenspolitischen Dominanz digitaler Plattformökonomien und manipulierter Weltwahrnehmungen. Diese strukturellen Umbrüche haben auch weitreichende Folgen für die Kultur des Erinnerns im Allgemeinen ebenso wie für Gedenkstätten und historisch-politische Bildung im Besonderen.

Was verstehen wir heute unter Gegenwartsrelevanz der Vermittlungsarbeit?

Wie verändern sich Friedensvorstellungen im Kontext von Bedrohung und Zerfall von Sicherheitsvorstellungen? Welche Folgen hat dies für die Position von Militär in der Gesellschaft? Welche Herausforderungen sind mit der post-migrantischen Gesellschaft für die erinnerungskulturelle Arbeit verbunden: mit Blick auf die Auseinandersetzung mit der Kolonialismusgeschichte und hinsichtlich der Einbeziehung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte? Was verstehen wir heute unter Gegenwartsrelevanz der Vermittlungsarbeit?

Deutscher Marine- und Rüstungsstandort

Die Landeshauptstadt Kiel als historisch und aktuell herausragender deutscher Marine- und Rüstungsstandort gibt den Rahmen für diese vierte gemeinsame Gedenkstättentagung. Mit dem Blick auf die gegenwärtigen Umbrüche nehmen wir die Spur der Kieler Lokalgeschichte auf: Ausgehend vom historischen Kommandoort Flandernbunker und der neuen Werkstatt 20. Jahrhundert setzen wir uns mit der hier greifbaren Militärgeschichte und dem ebenfalls für die Stadtgeschichte wichtigen Kolonialismus auseinander.

Sind diese Ziele noch zeitgemäß und realisierbar?

Leitfragen der Tagung sind: Was bedeutet die „Zeitenwende“ für die Erinnerungskultur Kiels und allgemein? Worin bestehen die historischen Bezüge, Ansatzpunkte und Zielsetzungen lokaler Erinnerungsarbeit? Sind diese Ziele noch zeitgemäß und realisierbar unter den Bedingungen der „Zeitenwende“?


Programm