
Beim Internationalen Frauentag geht es nicht nur um rote Rosen, nette Worte, kleine Gesten. Es geht um Rechte, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung. Seine Geschichte ist mehr als 110 Jahre alt. Und wechselvoll.
Dafür steht der Frauentag
Im Mittelpunkt steht die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern. An diesem Tag demonstrieren Frauen weltweit für mehr Rechte und Freiheit. Am Anfang steht das Frauenwahlrecht im Fokus. Später rücken vor allem Forderungen nach gleichen Bildungschancen, gleichen Löhnen, Frieden und sozialen Reformen in den Mittelpunkt. Viele Veranstaltungen lenken den Blick auch auf Ausbeutung, Gewalt an Frauen, Frauenhandel, Zwangsehen, Zwangsprostitution und die Diskriminierung von Minderheiten. Bis heute betrifft die Benachteiligung von Frauen weltweit noch viele Lebensbereiche.
Die Ursprünge
… sind eng mit der Industrialisierung verbunden. Mit den schlechten Arbeitsbedingungen, denen Frauen in Fabriken ausgesetzt sind, den niedrigen Löhnen, die sie dafür erhalten. Und den Arbeiterinnenbewegungen, die sich daraufhin insbesondere in den USA Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bilden. Immer wieder legen Frauen aus Protest ihre Arbeit nieder. Zum Teil mehrere Wochen lang. 1909, zum Beispiel, gehen in Manhattan 20.000 Näherinnen auf die Straße. Bereits im Jahr zuvor gründen Frauen auf dem Parteitag der sozialistischen Partei der USA ein nationales Frauenkomitee. Mit dem Ziel, sich öffentlich für die Rechte amerikanischer Frauen einzusetzen. Ein Frauentag soll dieser Forderung Nachdruck verleihen. Zum ersten Mal am 20. Februar 1909.
Der Frauentag in Deutschland
… führt über Kopenhagen. Hier treffen sich im August 1910 Frauen aus 17 Nationen zur II. internationalen sozialistischen Frauenkonferenz. Mit dabei: Clara Zetkin und Käte Duncker. Zwei Sozialistinnen – später Kommunistinnen – aus Deutschland. Ihre Idee, dem amerikanischen Beispiel zu folgen und auch in Europa einen Frauentag einzuführen, wird beschlossene Sache. Und so findet am 19. März 1911 in Deutschland der erste Frauentag statt. Ebenso wie in Dänemark, Österreich und der Schweiz. Ihre politische Forderung: das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mit jedem Jahr kommen weitere Länder hinzu.
Ziel erreicht, die Bewegung bleibt
Im November 1918 wird in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Ein wichtiges Ziel des Frauentags ist erreicht. Sein Blick richtet sich nun stärker auf Benachteiligungen im Arbeitsleben. Auf Arbeitszeiten, Löhne, Bildung, Mutterschutz. Und die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.
Getarnte Familienfeiern und rote Wäsche
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen, verbieten sie den Frauentag und stellen den Muttertag in den Vordergrund. Die Tradition lebt trotzdem weiter. Heimlich. Getarnt als Kaffeekränzchen oder Familienfeier. Oder indem die Frauen an diesem Tag demonstrativ rote Wäschestücke im Fenster lüften.
Nach dem Krieg
… spaltet sich mit Deutschland auch der Blick auf den Frauentag. In der DDR wird er – staatlich instrumentalisiert – groß zelebriert. Zu Hause und in den Betrieben. Es gibt gedeckte Frühstückstische, rote Nelken und feierliche Reden, Auszeichnungen und früheren Feierabend, öffentliche Veranstaltungen und private Feiern. Am Ende des Tages aber weiterhin große Lohnunterschiede und kaum Frauen in Führungspositionen. Das gesellschaftliche Leitbild ist und bleibt die vollzeitbeschäftigte Frau und Mutter. In der Bundesrepublik spielt der Frauentag zunächst keine Rolle. Seine Bedeutung kehrt erst in den 1970er-Jahren schrittweise zurück, als die Frauen- und Friedensbewegung ihn neu belebt.
Im wiedervereinten Deutschland
… rückt der Tag ab 1993 wieder stärker in die Öffentlichkeit. Mit Veranstaltungen von Frauengruppen, Gewerkschaften, Gleichstellungsbeauftragten, Parteien und Verbänden. Auch der Handel hat diesen Tag für sich entdeckt – mit konsumfördernden Rabatten und Aktionen.
Das Datum
… für den Frauentag variiert zunächst. 1911 war es in Deutschland der 19. März. Im Jahr darauf der 12. Mai. 1913 der 2. März. 1914 der 8. März. 1921 einigt sich die internationale kommunistische Frauenkonferenz in Moskau auf den 8. März. Als mögliches Vorbild dafür gilt der 8. März 1917. Der Tag, an dem in Petrograd (heute St. Petersburg) die Textilarbeiterinnen streiken, damit auch Fabrikarbeiter mobilisieren und eine Revolution auslösen, in deren Folge wenige Tage später der Zar abdankt. Für die Sozialdemokraten ist dieser Tag nun aber kommunistisch besetzt. Sie rufen einen eigenen Frauentag ins Leben, ohne festes Datum. Deshalb gibt es in der Weimarer Republik zeitweise zwei Frauentage. 1975 begehen die Vereinten Nationen den 8. März erstmals als Frauentag. Zwei Jahre später erklären sie ihn zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“.
MV hat frei
Seit 2023 ist der 8. März in Mecklenburg-Vorpommern ein gesetzlicher Feiertag. MV ist damit das zweite Bundesland, in dem das so ist. Berlin hatte 2019 den Anfang gemacht. Weltweit ist der Frauentag in mehr als 20 Ländern ein gesetzlicher Feiertag – vor allem in Afrika und Asien.
Extra
Der Frauentag bei LeMO, dem Lebendigen Museum Online – hier
Die Sonderseiten der LpB Baden-Württemberg – hier