
Am Donnerstag findet in Pasewalk eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Das Gedenken widmet sich den 13 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, die am 12. Februar 1940 vom Pasewalker Bahnhof in den Tod deportiert wurden. Die Veranstaltung bildet auch den Abschluss der Stolpersteinverlegungen in Pasewalk. Die App „Stolpersteine Digital“ wird vorgestellt.
12. Februar 2026
Gedenken und Vorstellung der App „Stolpersteine Digital“ in Pasewalk
10 Uhr
- Begrüßung durch den 1. Stellvertretenden Bürgermeister, Marko Schmidt
- Redebeitrag von Dr. Egon Krüger
Niederlegung von Blumen (weiße Rosen)
Ort: Bahnhof Pasewalk, Gleis 4
16 Uhr
Beginn der Gedenkveranstaltung
Ort: Am St. Spiritus 3, Pasewalk
- Begrüßung durch den 1. stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Pasewalk, Marko Schmidt
- Grußwort Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten
- Redebeitrag des Landesrabbiners Yuriy Kadnykov
- Redebeitrag Angela Stegemann, Förderverein des Museums
- Gemeinsame Projektvorstellung der App „Stolpersteine Digital“ durch Jochen Schmidt, LpB MV, und Lars Mischak, Leiter Lösungen Kultur und Wissenschaft, Dataport
Im Anschluss
Gemeinsame Rückkehr ins Rathaus und Eröffnung der Wanderausstellung „Jüdische Portraits“.
- Grußworte und Eröffnung der Ausstellung durch die Museumsleitung Maria Mischke
Hintergrund
Am 12. Februar 1940 wurden 13 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Pasewalk vom Gleis 4 des Pasewalker Bahnhofs in den Tod geschickt. Sie wurden in einen Personenzug nach Stettin gezwungen und von dort gemeinsam mit 1120 weiteren Menschen nach Lublin deportiert. Keiner von ihnen überlebte. Am 12. Februar 2025 wurde eine Stolperschwelle am Pasewalker Bahnhof zur Erinnerung verlegt.
Stolpersteine
Am St. Spiritus 3 in Pasewalk sind neun Stolpersteine für die Mitglieder der Familien Lewin, Jacoby, Michaelis und Back verlegt. In Pasewalk insgesamt sind 78 Stolpersteine und eine Stolperschwelle auf Initiative von Dr. Egon Krüger und dem Förderverein des Museums verlegt.
Stolpersteine für…
Martha Lewin, Erna Heumann, geb. Lewin, und Else Michaelis, geb. Lewin, waren Schwestern. Sie hatten noch drei Brüder. Siegbert, Max und James. Max und James haben den Holocaust überlebt. James ging ins Exil nach China. Max hat das KZ Dachau überlebt und ging in die USA. Dort verstarb er 1956. Die Schwestern wurden in Auschwitz ermordet. Auch der Ehemann von Else, Rafael Michaelis, wurde nach Auschwitz deportiert.
Annelise Michaelis, geb. Heumann, ist die Tochter von Erna Heumann und David Heumann. Sie hatte noch einen Bruder Werner und eine Schwester Lotte. Annelise hatte eine Tochter Judith mit Gert Michaelis aus Löcknitz. Ihnen gelang die Auswanderung nach Palästina. Annelise wurde nach gescheiterter Ehe und Rückkehr nach Deutschland bei Siemens zur Zwangsarbeit verpflichtet. Erna ihre Tochter und Enkeltochter mit dem 25. Osttransport unter der Kategorie Juden nach Ausschwitz deportiert. 1943 starben sie dort.
Über Adolf Lewin sind nur sein Geburtsjahr, Wohnadresse in Pasewalk, Ort und Jahr der Ermordung bekannt. In welchem Verwandtschaftsverhältnis er stand, ist noch ungeklärt. Er wurde nur 16 Jahre alt.
Ludwig Jacoby und Selma Ehrlich, geb. Jacoby, waren Geschwister. Sie hatten noch eine Schwester Lucie und einen Bruder Siegfried. Ihre Eltern Albert und Henriette wurden schon in Pasewalk geboren. Die Jacobys waren bereits 1816 ansässig in Pasewalk. Ludwig und Selma wurden beide in Berlin aufgespürt und in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Luci wählte 1941 den Freitod.
Max Back ist der Sohn von Jeremias Back und Marie Back, geb. Machol. Er hatte drei Geschwister, die alle 1881 verstarben und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurden. Max heiratete Berta Goldberg und zog mit ihr nach Düsseldorf. Max und Berta wurden von der Gestapo verhaftet und nach Litzmannstadt deportiert. Beide kamen dort um.
App „Stolpersteine Digital“
Die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern hat sich gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Dataport auf den Weg gemacht, alle Stolpersteine und vor allem die Biografien von Opfern des Nationalsozialismus in Mecklenburg-Vorpommern in der App „Stolpersteine Digital“ zu erfassen, damit sie in der App abgerufen werden können.
Die App „Stolpersteine Digital“ kann unter dem nachfolgenden QR-Code heruntergeladen werden. Die App ist zudem in den gängigen Appstores von Android und Apple erhältlich.

Stand Februar 2026 sind die Stolpersteine der Landeshauptstadt Schwerin, der Hansestadt Stralsund, der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, der Hansestadt Wismar, Stadt Pasewalk und von Waren (Müritz) in die App integriert. In den kommenden Monaten folgt Rostock und dann nach und nach die Landkreise.
Was diese App besonders macht, ist ihre Fähigkeit, diese Denkmäler zu verknüpfen: mit den Biografien der Menschen, den historischen Kontexten und interaktiven Erlebnissen. Nutzerinnen und Nutzer der App können mit der Kamera ihres Mobiltelefons Stolpersteine scannen und so die Biografie des Menschen, an den dort erinnert wird, abrufen. Zudem enthält die App eine Gedenkfunktion. Mit Hilfe von Augmented Reality kann eine Kerze am Stolperstein platziert werden und mit einer Gedenkbotschaft und dem eigenen Namen ergänzt werden. Andere Nutzerinnen und Nutzer der App können diese Kerzen dann auf ihrem Mobiltelefon sehen. Die Kerzen verbleiben für einen Zeitraum von sieben Tagen in der virtuellen Realität.
Ergänzend zur App findet man umfassendes pädagogisches Material von unterschiedlichen Bildungsträgern auf der Webseite stolpersteine.digital. Diese Übersicht wurde zusammengestellt vom Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein und den Landeszentralen für politische Bildung Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.