Massenmord am Ostseestrand

Eva Nagler in Israel. Foto: Archiv Yoav Lester

Eva Nagler. Eine Überlebende berichtet vom Massaker in Palmnicken im Jahr 1945. Buchvorstellung und Lesung mit Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, und Anna Menzel, Schauspielstudentin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, am 10. Februar in der Kunsthalle Rostock.


Auszug

„Ich schaute auf die einsame Gestalt meiner Schwester, meine herzallerliebste ›schlafende‹ Sonia. Ich sagte ihr lautlos Auf Wiedersehen. Und ich verabschiedete mich auch von Hanka, deren Körper ich nicht entdecken konnte. Und von allen anderen in diesem Haufen. Und von dem armen Mann weit draußen im Meer. Er winkte noch immer verzweifelt mit einem Arm.


Hintergrund

Eva Nagler (1925-2006) stammte aus einer jüdischen Familie im polnischen Łódź. Nach dem deutschen Einmarsch musste sie 1940 in das Ghetto Litzmannstadt umsiedeln. Im August 1944 wurde sie von der SS nach Auschwitz-Birkenau, anschließend in das Konzentrationslager Stutthof und schließlich in ein Arbeitslager im ostpreußischen Schippenbeil verschleppt. Sie ist eine der nur ca. 30 Überlebenden des Todesmarsches von Königsberg nach Palmnicken und des Massakers an der ostpreußischen Bernsteinküste Ende Januar 1945, bei dem über 4.500 Menschen ermordet wurden. Nach ihrer Befreiung ging sie 1946 nach Palästina und zog 1952 weiter nach Australien. Ihr Bericht „Massacre on the Baltic“ erschien dort 1995.

Eva Nagler, Sydney, 1960er-Jahre. Foto: Archiv Yoav Lester

Das Buch

„Massenmord am Ostseestrand“ wurde im Jahr 2025 von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas durch Sarah Friedrich und Uwe Neumärker ins Deutsche übersetzt und herausgegeben. Hier geht’s zur Bestellung.

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. (c) Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Foto: Marko Priske

Die Lesung

Am 10. Februar mit Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, sowie Anna Menzel, Studentin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, die aus dem Buch liest. Zu Beginn der Lesung hält Staatssekretärin Susanne Bowen, Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, ein Grußwort.

Eine Veranstaltung der Kunsthalle Rostock und der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der Ausstellung „totenstill“ in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Anna Menzel. Foto: Louis Kuballa

Kunsthalle Rostock

Hamburger Straße 40
18069 Rostock

Termin

10. Februar, 19 Uhr

Eintritt

8 Euro/ 6 Euro ermäßigt
Kulturticket frei


Die Ausstellung

Totenstill. Bilder von Dirk Reinartz. Foto: Wiebke Marcinkowski

Totenstill. In seiner Serie setzt sich der Fotograf Dirk Reinartz mit den ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslagern auseinander. Die Aufnahmen zeigen in strengem Schwarz-Weiß die immer gleichen Infrastrukturen der Massenvernichtung. Zu sehen bis 8. März in der Kunsthalle Rostock. Die Ausstellung wird von der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Hier unsere Bilder.