Kunst trifft Geschichtswissenschaft

Künstlerin Marie Jeschke bei der Eröffnung in der DuG Rostock. Fotos: Wiebke Marcinkowski

Am kommenden Mittwoch geht es um grundlegende Fragen in der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock: Wie kann Aufarbeitung der DDR-Geschichte gestaltet werden? Welche Perspektiven bringen Kunst und Geschichtswissenschaft ein – und wie können sich diese ergänzen? Kunst trifft Geschichtswissenschaft: das Gespräch mit Künstlerin Marie Jeschke und Historikerin Dr. Jenny Linek.



Hintergrund

21. Januar, 18 Uhr. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung „Fluide Grenze“ von Marie Jeschke statt. In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein zu Rostock e.V. gestaltet die DuG Rostock bis Ende April ein Begleitprogramm rund um das Thema Flucht über die Ostsee. Den Auftakt bildet das Gespräch zwischen Dr. Jenny Linek und Marie Jeschke, moderiert von der Kuratorin Susann Burmester.

Marie Jeschke

…ist eine international anerkannte Künstlerin. Ihre künstlerische Praxis vereint Malerei und Performance zu interdisziplinären Werken. Seit Sommer 2024 beschäftigt sich die Künstlerin, deren eigene Familiengeschichte in enger Verbindung mit dem Thema Flucht steht, intensiv mit Orten, an denen DDR-Fluchtversuche über die Ostsee oder Grenzflüsse stattgefunden haben. Dort geht sie mit Leinwand und Pflanzenfarbe direkt ins Wasser. Durch den performativen Akt des Schwimmens unter Wasser nutzt die Künstlerin die Bewegungen ihres eigenen Körpers, um kraftvolle, aus der Tiefe des Unsichtbaren entstandene Kunstwerke zu schaffen, die ein intensives und multisensorisches Engagement mit den sie umgebenden Gewässern fordern.

Dr. Jenny Linek

…arbeitete bis 2023 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Tödliche Ostseefluchten aus der DDR 1961 bis 1989“ an der Universität Greifswald. Sie erforschte in dieser Zeit mehrere hundert Fälle von möglichen Todesfällen, 135 Fluchttote sind mittlerweile nachweisbar. Die meisten tödlichen Fluchtversuche über die Ostsee ereigneten sich kurz nach dem Mauerbau in den Jahren 1961 und 1962. Der Anteil der Frauen unter den Opfern betrug 10 Prozent; die meisten Flüchtlinge waren Jugendliche und junge Männer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren.

Beide Gäste widmen sich dem Thema auf unterschiedliche Art – gemeinsam ist ihnen, die Betroffenen zu würdigen, persönliche Schicksale nachzuzeichnen und die Menschen in den Vordergrund zu stellen.


Bilder

1620 Liter Ostseewasser – verteilt auf 135 blaue Eimer. Jeder Eimer steht für einen der 135 Menschen, die bei Fluchtversuchen über die Ostsee ertrunken sind.
„Fluide Grenze“ zeigt Videos, Malerei und Installationen.
Detailaufnahme eines Kunstwerkes
Die Ausstellung ist bis 30. April in der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock zu sehen.