
Ungewöhnliche Vorstellung einer ungewöhnlichen App des berlinHistory e.V.: Eine Schauspielerin und ein ehemaliger Sprecher des RIAS-Berlin lesen z.T. dramatische Berichte zur innerdeutschen Grenze und Geschichten aus dem heutigen Grünen Band, begleitet von Gitarren-Improvisationen. Termin: 11. November, 18 Uhr in der Bundesstiftung Aufarbeitung, Kronenstraße 5 in Berlin.
Hintergrund
Bei der Veranstaltung werden zentrale Geschichten der innerdeutschen Grenze (und ihrer Opfer) sowie die Entstehung einer einmaligen Naturlandschaft auf dem ehemaligen Todesstreifen mit unikaler Flora und Fauna vorgestellt. Es wird komprimiert präsentiert, was in der bislang umfassendsten digitalen Darstellung der gesamten innerdeutschen Grenze in der neuen App ortsbezogen mit über 900 Geschichtsorten im Detail vorgestellt wird. Alle Texte und die über 2.500 historischen und aktuellen Fotos und Animationen würden zusammengenommen ein Volumen von 7 Büchern mit jeweils 300 Seiten ergeben. Mit der App kann man das vor Ort oder auch zu Hause auf dem Sofa erkunden. Und die App wächst weiter durch die breite Mitarbeit der Nutzer/innen und um weitere 3.000 historische Fotos, die im kommenden Jahr lokalisiert und eingestellt werden. Damit können die Nutzer/innen dann selber vor Ort Vorher-Nachher-Bilder aus der Perspektive des damaligen Fotografen machen.
Mehr als jede/r fünfte Deutsche (also mehr als in der ganzen DDR oder in NRW) lebte von 1945 bis 1989 im Zonenrandgebiet/Sperrbezirk westlich oder östlich der innerdeutschen Grenze. Zeitgeschichte ist hier und weit darüber hinaus auch immer gelebte Familiengeschichte. Tausende wurden auf dem östlichen Grenzstreifen aus Dörfern vertrieben, ihre Wohnorte geschleift oder sie durften Besuche nur mit Sondergenehmigung empfangen. Hunderttausende haben hier als Grenzsoldaten ihre Landsleute an der Flucht hindern müssen oder auf der Westseite beim Bundesgrenzschutz Dienst an der Nahtstelle des Kalten Krieges getan.
Die App versteht sich als ein Beitrag, das Grüne Band zu einem Weltnatur- und Kulturerbe zu machen: Dazu schließt sich an die szenische Lesung am 11. November eine Podiumsdiskussion zur historischen, naturräumlichen und zur Zukunftsperspektive des Grünen Bandes u.a. mit Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, mit der Leiterin Grünes Band beim Bund für Umwelt und Naturschutz, Dr. Liana Geidezis, und Dr. Alexandra Kruse vom vorläufigen Welterbebüro, Bereich Natur, an.
Die szenische Lesung geht nach der Präsentation in Berlin auf weitere Stationen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Extra
Die App ist eine Produktion des berlinHistory e.V. und entstand durch die Förderung der Bundesstiftung Aufarbeitung sowie der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen, der Stiftung Naturschutz Thüringen, des BUND, der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern und der Bingo-Stiftung Niedersachsen. Außerdem wurde sie in Zusammenarbeit mit den Grenzlandmuseen, -initiativen und -gedenkstätten, den Landesdenkmalämtern und dem Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin realisiert.

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