Flucht über die Ostsee

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Am 7. November liest der Journalist und Autor Bodo Müller im Grenzhus Schlagsdorf aus: „NATO-Alarmfall: Die Flucht der Familie Gaeth über die Ostsee 1975.“


Hintergrund

Vor 50 Jahren drohte eine militärische Konfrontation: Am 15. Juli 1975 floh der Rostocker Willi Gaeth mit seiner Familie auf der Segelyacht „Tornado“. Sie starteten ab Darßer Ort und wollen in die Bundesrepublik. Die Yacht wurde durch ein Wachboot des Bundesgrenzschutzes entdeckt und in Schlepp genommen. Kurz danach nahmen DDR-Grenzschiffe die Verfolgung auf. Es kam zu einer militärischen Auseinandersetzung um den Schleppzug. Erst als von westlicher Seite Schnellboote und Kampfhubschrauber der Marine geschickt wurden, gaben die DDR-Grenzboote die Verfolgung auf.

Es war der einzige Fluchtfall auf der Ostsee, der einen NATO-Alarm auslöste. Die Aufarbeitung der Fluchtgeschichte enthüllte weitere Besonderheiten dieses Falles. Der Journalist und Autor Bodo Müller sprach mit Beteiligten und rekonstruierte die Geschichte der Flucht und des militärischen Konfliktes.


Der Autor

Bodo Müller, geb. 1953 im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte Journalismus und Fotografie in der DDR, arbeitete als Zeitungsredakteur in Halle und Rostock. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch und der Inhaftierung 1985 stellte er im Folgejahr einen Ausreiseantrag. Über ihn wurde ein Berufsverbot verhängt. Anfang 1989 durfte er mit der Familie die DDR verlassen. Bodo Müller lebt heute in Lübeck-Travemünde und arbeitet als freier Autor und Fotograf für Magazine, Verlage und Fernsehsender. Zum Thema veröffentlichte er mehrere Bücher: „Über die Ostsee in die Freiheit“ (mit Co-Autorin Christine Vogt-Müller), „Faszination Freiheit“ und „Der Tunnel am Checkpoint Charly (mit Co-Autorin Siegrund Scheiter).


Kompakt

„NATO-Alarmfall: Die Flucht der Familie Gaeth über die Ostsee 1975“

7. November, 19 Uhr

Der Eintritt ist kostenfrei. Anmeldung über Telefon: 038875/ 20326 oder per Mail: info@grenzhus.de

Grenzhus Schlagsdorf, 19217 Schlagsdorf, Neubauernweg 1


Buchtipp

„Tödliche Ostseefluchten aus der DDR 1961-1989. Ein biografisches Handbuch“

Das Handbuch ist das Ergebnis eines Forschungsverbundes, der von 2018 bis 2023 Todesfälle von DDR-Bürgerinnen und -Bürgern untersuchte, die die risikovolle Flucht in den Westen wagten. Insgesamt wurden 656 Ertrinkungstote in der Ostsee für den Zeitraum von 1961 bis 1989 ermittelt. Von diesen ließen sich 135 als Fluchtversuche bestätigen, die tödlich ausgingen. Die meisten tödlichen Fluchtversuche über die Ostsee ereigneten sich kurz nach dem Mauerbau in den Jahren 1961 und 1962.

Tödliche Ostseefluchten aus der DDR 1961-1989.
Schwerin 2025 | 410 Seiten | LpB | 25 Euro

Autorinnen und Autoren

Henning Hochstein, Jenny Linek, Merete Peetz. Unter Mitarbeit von Hubertus Buchstein, Jane Gerhardt, Björn Ahters, Leoni Gau, Maya Miller und Finja Schöbel

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