
Bis 25. Oktober ist im Grenzhus die Werkstattausstellung „Spuren des Lebens. Geschichten aus dem Neubauernweg in Schlagsdorf seit 1945“ zu sehen.
Schülerinnen und Schüler vom Wahlpflichtkurs „Dorfgeschichte“ hatten sich ein Jahr lang mit der Geschichte der Einwohner des Neubauernweges beschäftigt, Zeitzeugen befragt und Material gesammelt. Emmely Schlauder sagte zur Eröffnung: „Die Gestaltung der Ausstellung war für uns mehr als nur ein Schulprojekt, es war eine Reise durch die Zeit, Erinnerungen und Emotionen.“

Am Anfang klang es nach einem unspektakulären Thema, doch die Erinnerungen der Zeitzeugen führten weit in die Geschichte. Zuerst gab es gar keinen Neubauernweg, sondern nur die über 200 ha große Domäne. 1945 war das Dorf voll mit Flüchtlingen und in der sowjetischen Besatzungszone verkündete man eine Bodenreform. Daraufhin wurde der Pächter der Domäne vertrieben und das Gut in über 30 Siedlungen aufgeteilt.
Familien aus Ostpreußen begannen, sich eine neue Existenzgrundlage aufzubauen. Ihre Fluchtwege aus Ostpreußen und Hinterpommern wurden von den Jugendlichen rekonstruiert.
Rita Grabowski, 1930 in Thandorf geboren, heiratete 1954 in solch eine Flüchtlingsfamilie. Sie kam zur Ausstellungseröffnung und erzählte von den schwierigen Anfängen. Mit der Kollektivierung war die selbstständige Existenz vorbei. Wer den Eintritt in die LPG verweigerte, wie Bauer Erich Kopanka, wurde 1961 zwangsausgesiedelt. Auch davon und von den Eingrenzungen im Sperrgebiet erzählt die Ausstellung.
Trotzdem entwickelte sich ein enges Miteinander. Der Weg war für die vielen Kinder der Spielplatz und die Schule war auch nicht weit. Von 1950 bis 1973 lernten hunderte Kinder im heutigen Grenzhus. 1959 entstand die Polytechnische Oberschule mit 10 Klassen und sozialistischen Vorgaben.
Mit der Grenzöffnung und dem Ende des Sperrgebietes ändert sich das Leben erneut, nun zogen viele neue Einwohner in den Weg und bauten ihre Häuser – fast ein zweiter Neubeginn.
Diese Geschichten sind in der Ausstellung zu finden und weitere sollen hinzukommen. Emmely bilanzierte im Rückblick: „Jeder von uns wurde auf unterschiedliche Weise berührt. Manche waren von den Zeitzeugen berührt, andere von der Entwicklung des Ortes.“
Die Ausstellung ist ein Ergebnis lebendigen Geschichtslernens und lädt dazu ein, weitere Geschichten und Dokumente hinzuzufügen. Wer war in der Schule im Neubauernweg, wer hat hier gewohnt oder gearbeitet?
Grenzhus Schlagsdorf, 19217 Schlagsdorf, Neubauernweg 1, Tel.: 038875/ 20326
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 16.30 Uhr