Was sollen uns die Grünen Kreuze sagen?

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Man sieht sie an den Rändern von Landstraßen und Autobahnen, auf Feldern und Wegen: Die Grünen Kreuze. Seit Oktober 2019 machen sie von sich reden und deutschlandweit wurden weit mehr als 10.000 errichtet.

Die Initiatoren der Kampagne sind Landwirte und möchten mit der Errichtung der Grünen Kreuze für ihre zunehmend schwierige Situation sensibilisieren: Die eigene wirtschaftliche und persönliche Existenz gilt als bedroht und der Protest zielt vor allem auf das neue Agrarpaket der Bundesregierung. In diesem untersagt ein neues Schutzprogramm für Insekten de facto den Einsatz von Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat und widmet mehr Subventionen dem Naturschutz. Die Landwirte befürchten Ernterückgänge zwischen 10% und 30%. Neben diesem konkreten Anlass werben die Landwirte aber auch für mehr Verständnis für ihren Berufsstand. Der Errichter des bundesweit ersten Grünen Kreuzes formulierte die Absicht der Kampagne gegenüber dem Deutschlandfunk so: „Die Landwirte sind nicht gegen Insektenschutz, nicht gegen Umweltschutz und nicht dagegen, dass unser Grundwasser sauber bleibt. Aber unsere erste Aufgabe – das wird in der aktuellen Diskussion oft vergessen – ist die Produktion von Lebensmitteln und Rohstoffen.“

Begleitet wird diese eher stille Protestform durch Sternfahrten von z.T. hunderten Traktoren in die Städte. So demonstrierten die Landwirte beispielsweise in Rostock und Schwerin unter einem großen Aufgebot an Landwirtschaftsfahrzeugen: „Durch die geplanten Einschränkungen im Pflanzenschutz verlieren die Landwirte ihre Arbeits- und Einkommensgrundlage. Wir laufen Gefahr, dass der Strukturwandel so unaufhaltsam voranschreitet und viele Betriebe aufgeben müssen“, sagte Bauernpräsident Detlef Kurreck auf einer Kundgebung in Schwerin.

Unterstützung bekommen die Landwirte vom Landwirtschaftsminister: „Für mich ist das Agrarpaket aber nicht die Ursache für den Protest, sondern der entscheidende Tropfen, der Fass zum Überlaufen gebracht hat. […] Was wir brauchen, ist ein neuer Gesellschaftsvertrag. Die Darstellung unserer Landwirtschaft in der öffentlichen Debatte hat in unserer Wohlstandsgesellschaft mittlerweile einen gefährlichen Tiefpunkt erreicht“. Unter anderem plädiert er für eine Herauslösung der strengeren Düngeregelungen aus dem Agrarpaket.

Doch gibt es auch kritische Stimmen zu der Kampagne. Denn als Hauptinitiator gilt der ehemalige Manager Willi Kremer-Schillings, welcher vor seiner Pensionierung jahrelang in der Chemiebranche tätig war und so sein Geld mit der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln verdiente. Aktuell tritt er unter dem Künstlernamen „Bauer Willy“ auf, macht seine berufliche Vergangenheit nicht öffentlich und suggeriert so eine Anknüpfung an den Interessen des „kleinen“ Landwirts. Neben einer offensiven Werbung für Pflanzenschutzmittel zweifelt er öffentlich die Absichten der „Fridays for Future“-Bewegung an.

Dennoch stößt seine Kampagne bei den Landwirten und ihrer Unterstützer auf großen Nachhall: In einer Abstimmung von agrarheute.de begrüßten 64% der Befragten die Grünen Kreuze (Stand 07.01., 5757 Gesamtstimmen).

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