Tag des Mauerbaus

Vom / Landeskunde

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ verkündete DDR-Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht noch am 15. Juni 1961. Doch angesichts der umgangssprachlich benannten „Abstimmung mit den Füßen“ begann die DDR in Berlin dann doch am 13.08.1961 mit deren Errichtung.

Was ist der Hintergrund?
In den Monaten und Jahren vor dem Mauerbau nahmen die Abwanderungszahlen aus der DDR in die BRD deutlich zu. Zwischen 1949 und 1961 waren etwa drei Millionen Menschen aus der DDR geflüchtet. Vor allem junge und gut ausgebildete Menschen gingen. Die Konsequenz war u.a. eine erhebliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Land.

Was ist die „Abstimmung mit den Füßen“?
Der ursprünglich von Lenin genutzte Ausspruch wurde von der westdeutschen Politik aufgegriffen, um die Abwanderungen als Votum der Bevölkerung gegen das ostdeutsche Regime zu stilisieren. Im Jahr 1961 führte der einzig offene Fluchtweg nach West-Berlin.

Warum kam das Ereignis für viele überraschend?
Das berühmte Zitat von Walter Ulbricht stammt von einer internationalen Pressekonferenz vom 15. Juni, in der er selbst das erste Mal das Wort „Mauer“ nutzte. Die eigentliche Entscheidung zur Schließung der innerdeutschen Grenzen fiel am 03.08. bei einer Unterredung zwischen Chruschtschow und Ulbricht. Erst drei Tage vor Start der Bauarbeiten erhielt der (west-)deutsche Bundesnachrichtendienst erste Hinweise auf das Bauprojekt und die Spitzen der ostdeutschen Politik wurden von Walter Ulbricht erst am Abend des 12.08. um 22 Uhr informiert.

Wie wurde die Grenze geschlossen?
Noch in der Nacht zum 13.08. riegelten Truppen der NVA und weiterer Polizeikräfte die Straßen und Schienenwege nach West-Berlin ab. Insgesamt waren weit mehr als 10.000 Personen im Einsatz. Sowjetische Kampfverbände standen bereit, um bei Protesten der Bevölkerung einschreiten zu können. Der „Tag des Mauerbaus“ ist somit eigentlich eher ein „Tag der Sektoren- bzw. Grenzschließung“, denn erst in den nachfolgenden Tagen wurden Mauern oder Stacheldrahtbarrieren errichtet. In der Nacht vom 17. zum 18.08. wurde die Schließung der Grenze im geteilten Berlin vollendet.

Welche Bedeutung hat das Ereignis?
Die Berliner Mauer stand 28 Jahre und sollte zum Sinnbild der innerdeutschen Teilung werden. Als Symbol für den Kalten Krieg spaltete sie sprichwörtlich den europäischen Kontinent in zwei Lager: Im Osten als „Antifaschistischer Schutzwall“ angepriesen, wurde sie im Westen als „kommunistische Schandmauer“ kritisiert.
Die erhebliche Abwanderung aus der DDR wurde durch die Schließung der Grenzen und den Ausbau der Grenzanlagen gestoppt – auf Kosten der Freiheit der eigenen Bevölkerung. 

Und die persönlichen Schicksale?
Zeitzeugen berichten von erschütternden Szenen an der quasi über Nacht geschlossenen Grenze. Etwa 50.000 Menschen konnten nicht mehr ihre Arbeit in West-Berlin erreichen, Familien wurden getrennt. Doch nicht nur die Bevölkerung im Berliner DDR-Sektor waren überrumpelt. Auch die West-Berliner fühlten sich von den westlichen Schutzmächten im Stich gelassen. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat hier Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, wie sie den Mauerbau erlebten. 

Weiterlesen?
Schaut doch mal in die Bücher „Ihr könnt doch nicht auf mich schießen!“ und „Faszination Freiheit – Die spektakulärsten Fluchtgeschichten„.

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