Die Geschichte des Landes

Vom / Landeskunde

Mecklenburg und Vorpommern bildeten bis ins 20. Jahrhundert hinein keine Einheit, obwohl es viele Gemeinsamkeiten gab: Die Lage am Meer, die slawischen Wurzeln, die niederdeutsche Sprache und dasselbe Brauchtum prägten beide Regionen. Als politische Gebilde haben Mecklenburg und Vorpommern allerdings auch eigenständige Entwicklungen genommen. Mecklenburg blickt auf eine über 1000jährige eigenständige Geschichte zurück. Vorpommern wurde dagegen nach dem Aussterben der slawischen Herrscherdynastie 1637 politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich stark durch die Herrschaft Schwedens und später Brandenburg-Preußens geprägt.

1945 fielen die östlich der Oder-Neiße-Linie gelegenen Gebiete Pommerns an Polen. Die verbliebene Region Vorpommern wurde 1945 mit Mecklenburg zum Land Mecklenburg-Vorpommern vereint. Bereits zwei Jahre später machte die sowjetische Besatzungsmacht die Vereinigung der Länder wieder rückgängig. 1952 wurde das Land im Zuge der Gründung der DDR-Bezirke aufgelöst. Die Namen Mecklenburg und Vorpommern wurden aus Karten und Lehrbüchern getilgt. Erst mit der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 wurde das Land Mecklenburg-Vorpommern neu gegründet.

Den Anfang machten Slawen

Menschliches Leben lässt sich auf dem heutigen Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns für die Zeit nach dem Ende der Eiszeit, also ab dem 8. Jahrtausend v. Chr. nachweisen. Ausgrabungen belegen, dass es zunächst Nomaden waren, die als Jäger und Sammler Spuren hinterließen. Im 3. Jahrtausend v. Chr. bildete sich die bäuerliche Lebensweise heraus, die für die Region bestimmend werden sollte. Die Nomaden wurden sesshaft, bildeten Stämme und bauten Siedlungen.

Als die Völkerwanderung Ende des 4. Jahrhunderts unserer Zeit einsetzte, verließen viele Stämme, darunter auch ein Großteil der germanischen Bevölkerung, den Raum an der Südwest-Küste der Ostsee. Stattdessen kamen slawische Völker, die als Wenden bezeichnet werden, in die Region und vermischten sich mit der verbliebenen Bevölkerung.

Die Besiedlung durch die Slawen ist der eigentliche Ausgangspunkt der Geschichte Mecklenburgs und Vorpommerns, weil sie individuelle, die Länder prägende Spuren hinterließ. Sowohl Mecklenburg als auch Vorpommern haben ihre Wurzeln in der slawischen Kultur. In Mecklenburg endete die älteste slawische Herrscher-Dynastie erst im Jahr 1918, in Pommern 1637.

Die Slawen waren tüchtige Handwerker und Meister in der Holzverarbeitung. Sie bauten ein System von befestigten Siedlungen, die zumeist inmitten von Seen lagen und durch hölzerne Palisadenzäune geschützt waren. Diese schlichten Burgen wurden da, wo sich fürstliche slawische Dynastien herausbildeten, größer und prächtiger.

Die Slawen waren kein Volk im modernen Sinne. Sie gliederten sich vielmehr in verschiedene Stämme mit Dutzenden Unterstämmen und jeweils eigener Führung in Gestalt eines Königs, Fürsten oder Häuptlings.

Die Obotriten hatten die Macht im westlichen Mecklenburg. Ihre Hauptburg, die Michelenburg, befand sich südlich von Wismar im heutigen Dorf Mecklenburg. 995 wurde dieser Fürstensitz erstmals urkundlich erwähnt. Später wurden aus dieser ersten Erwähnung das Gründungsjahr und der Name für das Land Mecklenburg abgeleitet. Die Obotriten stellten eines der mächtigsten slawischen Fürstenhäuser dieser Zeit. Sie bewahrten trotz aller äußerer Feinde bis in das 12. Jahrhundert hinein ihre Eigenständigkeit.

Die Wilzen beziehungsweise Lutizen siedelten sich im östlichen Mecklenburg und Peeneraum an. Sie hatten zentrale Burgen unter anderem in Kessin und Demmin. Die Ranen herrschten auf Rügen und dem angrenzenden Festland. Die Tempelburg Arkona auf Rügen war das kultische Zentrum der Ranen. Die Pomeranen wurden östlich der Oder sesshaft. Ihr Gebiet erstreckte sich von Stettin bis hinter den Lebasee bei Revekol. Der Name „Pommern“ ist slawischer Herkunft und bedeutete „Land am Meer“. 1046 wird die Bezeichnung Pommern erstmals in der Chronik eines bayerischen Klosters, den „Annales Altahenses“, erwähnt.

Immer wieder waren die unterschiedlichen Slawenstämme im Mittelalter in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. So führte Karl der Große mit den verbündeten Obotriten im Jahr 789 einen erfolgreichen Feldzug gegen die Wilzen, um sich deren Gebiete einzuverleiben. Aber auch der Kampf zwischen Christen und Heidentum war Spiegelbild der damaligen Auseinandersetzungen. Der gegen die Christianisierung gerichtete Slawenaufstand von 983, der von den Lutizen ausging, hatte zur Folge, dass kirchliche Repräsentanten verjagt und Bischofssitze zerstört wurden. Wie ein Keil stand der heidnische Siedlungsraum der Obotriten, Lutizen und Pomeranen zwischen den christlichen Herrschaftsgebieten von Deutschen, Dänen und Polen.

Zwar versuchte im 11. Jahrhundert der Obotritenfürst Gottschalk ein weiteres Mal, die Region dem Christentum zu öffnen. Er wurde 1066 erschlagen, die Bischöfe ermordet oder vertrieben.

Die Christianisierung

Im Jahr 1147 unternahm Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen, einen Kreuzzug gegen die Slawen. Er wollte seine Oberherrschaft erweitern und festigen, und er wollte das Gebiet östlich der Elbe erneut christianisieren. Sein mächtigster Gegner war der Obotritenfürst Niklot, der sein Herrschaftsgebiet bis zur Oder, zur Havel und zur Spree ausgedehnt hatte.

Als Vasall schuldete Niklot Heinrich dem Löwen als seinem Lehensherrn Tribut und Gehorsam. Als Niklot sich dem verweigerte, drang Heinrich der Löwe mit „Feuer und Schwert“ in das Obotritenland vor. Niklot fand 1160 nahe der Burg Werle bei Bützow den Tod.

Aber sein Sohn Pribislaw trat zum Christentum über und erhielt die Herrschaft über den größten Teil des Obotritengebietes 1167 als sächsisches Lehen. Das war der Beginn der dauerhaften Christianisierung Mecklenburgs. Die Region wurde in den deutschen Kulturraum eingebunden und es wurden für mehr als 950 Jahre die entscheidenden Weichen für die territorialen Konturen des mecklenburgischen Herrschaftsgebiets gestellt.

In Pommern erfolgte die Christianisierung nahezu zeitgleich. Die Zerstörung der heidnischen Tempelburg Arkona durch die Dänen 1168 ist hierfür sichtbarstes Zeichen.

1160 gründete Heinrich der Löwe die Stadt Schwerin. Die obotritische Burg auf der Insel im Schweriner See wurde Grafensitz. Den Bischofssitz – seinerzeit noch in der Michelenburg – verlegte er ebenfalls in die Stadt. Der Sachsenherzog beorderte zudem Berno, einen Zisterziensermönch aus dem Weserkloster Amelungsborn, nach Mecklenburg, und setzte ihn als ersten Bischof von Schwerin ein. 1171 siedelte Berno zwölf Zisterziensermönche in Doberan an, die Doberan zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum in dem sich wandelnden Mecklenburg machten.

Bedeutsam für die weitere Entwicklung des Landes ist auch, dass deutsche Ministeriale, die meist als Verwalter in Adelshäusern und in Klöstern tätig waren, seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Heinrich dem Löwen Landgüter zum Lehen mit dem Auftrag erhielten, diese zu bevölkern und nach ihren Erfahrungen umzugestalten. Im 13. Jahrhundert strömten einige zehntausend Siedler vor allem aus den rheinischen und westfälischen Gebieten ins heutige Mecklenburg. Sie gründeten zahlreiche neue Städte und Dörfer und assimilierten die slawische Bevölkerung.

Im Mittelalter wurden Mecklenburg und Pommern mehrmals geteilt. Erst 1471 wurden die verschiedenen mehr oder minder eigenständigen Herrschaftsbereiche in Mecklenburg unter Heinrich IV. wieder vereint. In Pommern dauerte es bis 1478, als unter Herzog Bogislaw X. ein vereintes Pommern entstand.

Städtegründungen und Hanse

Die Städte bildeten den zweiten großen Bereich, in dem sich Mecklenburg und Pommern wirtschaftlich und sozial im späten Mittelalter bedeutend veränderten. Nach der Gründung Schwerins 1160 entstanden im 13. Jahrhundert Rostock 1218, Güstrow 1228, Wismar 1229, Stralsund 1234, Neubrandenburg 1248 und Greifswald 1250. Zur ihrer Entwicklung trug vor allem der Städtebund der Hanse bei. In der Hanse vereinigten sich über drei Jahrhunderte die Kaufleute wichtiger Städte im Nord- und Ostseeraum, um gemeinsame wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, Zum Beispiel wollten sie gemeinsam die Piraterie bekämpfen. Auf ihrem Höhepunkt um 1400 gehörten der Hanse rund 200 Städte an, darunter Rostock, Wismar, Greifswald, Stralsund, Stettin, Demmin und Anklam.

Diese Küstenstädte unterhielten bedeutende Handelsflotten. Getreide, Rohstoffe, Felle, Fisch, Wein und Salz, aber auch Produkte des Handwerks standen auf den Handelslisten der hansischen Niederlassungen. Während die Bürger in den Städten nahezu unabhängig leben und handeln konnten, waren die Menschen auf dem Lande in Mecklenburg und Pommern zu einem erheblichen Teil Leibeigene und der Willkür ihrer Grundherren ausgesetzt.

Aus der Verbindung von „Hansegeist“ und bürgerlichem Bildungsinteresse entstand im Jahre 1419 die Universität Rostock. Sie ist damit die drittälteste Hochschule Deutschlands und die älteste Universität im Ostseeraum. Sie zog Studenten vor allem aus dem skandinavischen Raum und aus den Niederlanden an. 1456 wurde in Greifswald eine weitere Universität gegründet, die sich rasch zu einem wichtigen geistigen Mittelpunkt des Herzogtums Pommern entwickelte.

Die Reformation

Seit dem 12. Jahrhundert hatte die römisch-katholische Kirche die Bevölkerung Mecklenburgs und Pommerns weitgehend religiös geprägt. In dieser Epoche entstanden zahlreiche Klöster und Kirchen, die bis heute das Bild vieler Orte prägen.

Mecklenburg unterhielt allein 16 Männer- und 11 Frauenklöster, die wichtige geistliche Zentren waren. Mit der Reformation verlor der Katholizismus jedoch im 16. Jahrhundert an Bedeutung. Obwohl die Pommernherzöge der lutherischen Lehre zunächst ablehnten, setzte sich das reformierte Bekenntnis auch dort 1535 unter dem Einfluss von Johannes Bugenhagen durch.

In Mecklenburg setzte sich die Reformation später als in anderen deutschen Ländern durch. Erst 1549 wurde die evangelische Lehre in Mecklenburg von Herzog Johann Albrecht I. als verbindlich erklärt. Mit der Einführung des evangelischen Glaubens wurde auch das Bildungswesen umgestaltet. Es wurden Schulen eingerichtet, an denen adlige und bürgerliche Kinder freien Unterricht erhielten.

Der Dreißigjährige Krieg

Die römisch-katholische Kirche versuchte, die Reformation zurück zu drängen. Die Gegenreformation erreichte Mecklenburg und Pommern 1626 im Dreißigjährigen Krieg. Landesherren, Adel und Hansestädte waren lange Zeit nicht willens, sich wieder zur katholischen Kirche zu bekennen. Ihr Schwanken in der Bündnispolitik während des Dreißigjährigen Kriegs hatte zur Folge, dass der katholische Kaiser Ferdinand II. 1627/28 seinen Feldherren Albrecht von Wallenstein in Mecklenburg und Pommern einmarschieren ließ, um die Anhänger der Reformation zu besiegen.

In Mecklenburg flüchteten die beiden Herzöge, die nach einer erneuten Teilung Mecklenburgs 1621 die Herrschaft über die Landesteile Güstrow und Schwerin innehatten. Im Gegensatz zu ihnen verblieb der pommersche Herzog Bogislaw XIV. während des Einmarsches Wallensteins in Pommern. Er schloss mit dem schwedischen König – einem Anhänger der Reformatoren – ein Bündnis, um gegen den katholischen Feldzug des Kaisers und Wallensteins vorzugehen. Umso brutaler fielen jedoch die kaiserlichen Truppen über pommersches Gebiet her, brandschatzten, mordeten und verwüsteten das Land.

Mecklenburg und Pommern erlebten in dieser Zeit eines der schlimmsten Kapitel ihrer Geschichte. In beiden Gebieten verlor die Hälfte der Menschen ihr Leben, in manchen Gegenden starben sogar bis zu zwei Drittel der Einwohner aufgrund von Gewalt, Hunger und Seuchen. Von den etwa 300.000 Einwohnern Mecklenburgs überlebten seinerzeit nur 50.000 – 75.000 Menschen. Nach dem Krieg war Mecklenburg nach den Worten eines schwedischen Generals „nichts als Sand und Luft, alles bis auf den Erdboden verheeret“. Viele Städte und Dörfer waren zerstört und wurden nicht wieder aufgebaut. Durch den Mangel an Einwohnern und damit an Arbeitskräften kam es zu erheblichen Einbußen in der landwirtschaftlichen und gewerblichen Produktion, die in Mecklenburg und Pommern Jahrhunderte nachwirkten.

Die Schwedenzeit

1632 bezwang Schweden, das auf Seiten der Reformation in den Krieg eingegriffen hatte, die kaiserlich-katholische Vorherrschaft. Mecklenburg und Teile Pommerns wurden schwedisches Protektorat. Im Westfälischen Friedensvertrag 1648 wurden die Veränderungen bestätigt. So fielen Wismar, Neukloster und die Insel Poel sowie Vorpommern mit den Städten Stettin, Greifswald und Stralsund einschließlich der Inseln Rügen, Usedom und Wollin an das schwedische Königreich.

Als schwedisch besetztes Gebiet wurde Pommern in der Folgezeit immer wieder in Konflikte zwischen Brandenburg-Preußen, Dänemark, Russland und Polen einbezogen, in deren Folge unter anderem Brandenburg-Preußen im Jahr 1721 das südliche Vorpommern einschließlich Stettin übernahm. Erst 1815 nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft erhielt Preußen den schwedischen Teil Pommerns, womit ganz Pommern preußisch wurde.

Preußen war bemüht, die seit 1807 unter den Freiherrn Stein und Hardenberg betriebenen Reformen auch in Pommern umzusetzen. 1825 entstanden Kreisversammlungen, in denen Grundbesitzer, Städte und Bauern vertreten waren. Zudem wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Mecklenburg wurde unterdessen im Zuge des Hamburger Vergleiches von 1701 in die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin aufgeteilt. Danach entwickelte sich eine Feudalkultur mit Schlössern, Herrensitzen und Parkanlagen, die zu einem Charakteristikum der Region wurde. In Mecklenburg-Strelitz wurde Neustrelitz als neue Residenz angelegt. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts erklärte Herzog Friedrich Ludwigslust zur Residenz des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin. Er ließ dort eine einmalige spätbarocke Anlage mit Schloss, Kirche und weiträumigen, von Wasserläufen durchzogenen Parkflächen errichten. Die Teilung Mecklenburgs in ein Schweriner und ein Strelitzer Staatsgebiet wurde erst 1934 beendet.

Feudale Zustände bis ins 20. Jahrhundert

In der Märzrevolution von 1848 wurden die bestehenden Machstrukturen in Frage gestellt. In Mecklenburg-Schwerin konnten die Aufständischen eine verfassungsgebende Versammlung durchsetzen, die eine bürgerlich-demokratische Verfassung, das so genannte Staatsgrundgesetz, verabschiedete. Das kurze demokratische Intermezzo. hinterließ in Mecklenburg allerdings keine bleibenden Spuren, da die Reformen mit Gewalt von den inzwischen zu Großherzögen aufgestiegenen Fürsten und der Ritterschaft unterdrückt wurden. „Allens bliwwt bi´n Ollen“ (hochdeutsch: Alles bleibt beim Alten) schrieb der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter über die Folgen der Ereignisse. Bereits 1850 wurden die Zugeständnisse der mecklenburgischen Regierungen wie die Presse-, Versammlungsfreiheit und das Wahlrecht rückgängig gemacht.

Während in anderen deutschen Territorien die Fürsten bereits einen funktionstüchtigen Staat geschaffen und ihren Bürgern Verfassungen mit Mitspracherechten gewährt hatten, hinkte Mecklenburg diesen Fortschritten weit hinterher. Der Gegensatz zu anderen Reichsgebieten war vor allem durch die Macht der Landstände begründet. Bis 1918 galt der zwischen den Herzögen und den Ständen der 1755 geschlossene so genannte Landesgrundrechtliche Erbvergleich, der dem Adel den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Landes sicherte und die Macht des Landesherrn – und damit auch seine Möglichkeit, Reformen einzuführen – erheblich beschnitt.

Auch für die Produktions- und Sozialstruktur war die Gutsherrschaft prägend, da der Adel genauso so viel Anteil an Grund und Boden in Mecklenburg besaß wie die Großherzöge. In Mecklenburg gab es somit auch keine absolutistischen Verhältnisse, die sich zwischen 1649 und 1789 in Europa herausbildeten, und die Vorstufe der Aufklärung und der Moderne waren.

1866 traten die beiden Mecklenburg und Pommern dem Norddeutschen Bund bei. 1871 wurden sie Gliedstaaten des Deutschen Reiches. Dennoch waren die beiden mecklenburgischen Großherzogtümer die einzigen Länder im deutschen Kaiserreich, die 1918 noch einen ständischen Landtag hatten. Dieser bestand nicht aus gewählten Abgeordneten, die sich parlamentarisch-konstitutionellen Regeln verpflichtet sahen. Bis 1918 charakterisierte ein feudales Ständesystem die politischen Verhältnisse in Mecklenburg. Die eigentliche Macht lag in der Hand der Ritterschaft, die sich vor allem aus dem gutsherrlichen Adel zusammensetzte. Neben der Ritterschaft hatten nur noch die Städte Mitbestimmungsrechte. Die Bauern waren auch nach der Aufhebung der Leibeigenschaft überwiegend ökonomisch abhängige Landarbeiter, die den Grundbesitz der Herzöge und des Adels bewirtschafteten. Sie durften selbst als Tagelöhner ihren Arbeitsplatz nicht ohne Einwilligung der Gutsherren wechseln oder ohne deren Erlaubnis heiraten. Zudem unterlagen sie der Gerichtsbarkeit der Herzöge und des Adels.

Da es an einer notwendigen Modernisierung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse fehlte, wanderten zwischen 1840 und 1900 etwa 170.000 von 650.000 Mecklenburgern vor allem nach Nordamerika, aber auch in die industriellen Zentren Deutschlands aus, wodurch die Leistungskraft des Landes weiter geschwächt wurde. Neben dem dominanten Agrarsektor entwickelte sich in beiden Ländern nur mühselig eine Industrie. Mit Ausnahme des Schiffs-, Maschinen- und Wagenbaus (später auch Flugzeugbau) in Wismar und Rostock existierten in Mecklenburg überwiegend nur Klein- oder Mittelbetriebe.

Die beiden Weltkriege

Der I. Weltkrieg (1914 bis 1918) kostete zahllosen Mecklenburgern und Vorpommern das Leben. Zudem traf er die heimische Wirtschaft schwer. Der Export von Getreide stockte und die Importe von Kohle und Holz fielen weg. Tausende Handwerksbetriebe wurden stillgelegt, weil die Arbeiter zum Kriegsdienst einberufen waren. Vieh, Korn und Futter mussten an die Heeresverwaltung abgeliefert werden. Nur einzelne Rüstungsbetriebe in Rostock, Stettin und Dömitz, in denen Sprengstoff und Flugzeugteile hergestellt wurden, erlebten einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der „Kohlrübenwinter“ 1917/1918 führte zu Hungerunruhen, Streiks und zu einem Umschwung in der öffentlichen Meinung zum Krieg.

Mit der Novemberrevolution am Ende des I. Weltkrieges wurde die Ständeherrschaft abgeschafft. Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin fügten sich als Freistaaten in die Weimarer Republik ein und gaben sich erstmals demokratische Landesverfassungen. Diese Verfassungen sicherten bürgerliche Rechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit und das allgemeine Wahlrecht. Wichtigste Aufgaben der neuen Landtage und Landesregierungen waren eine Verwaltungs-, Bildungs-, Sozial- und Agrarreform, die Lösung der sozialen Probleme und die Trennung von Staat und Kirche. Überschuldete und unrentabel gewordene Gutsbetriebe wurden an Siedler vergeben. Dennoch blieben die großen Güter Charakteristikum der beiden Länder.

Mitte der 1920er Jahre setzte eine Agrarkrise ein, die ab 1929 durch die Weltwirtschaftskrise verstärkt wurde. Schon 1922 bildeten sich erste NSDAP-Ortsgruppen. Nach einem zeitweiligen Verbot 1923/1924 kam es zur Neugründung unter dem Landarbeiter Friedrich Hildebrandt, der schnell eine starke Anhängerschaft besonders wegen des von ihm propagierten „nationalen Sozialismus“ in der Landbevölkerung fand. Früher als in anderen deutschen Ländern errangen die Nationalsozialisten in Mecklenburg die Macht. Die NSDAP erhielt 1932 im Mecklenburg-Schweriner Landtag die absolute Mehrheit der Mandate. Die Machtergreifung und der Übergang zur nationalsozialistischen Diktatur im Deutschen Reich gingen deshalb in Mecklenburg ohne nennenswerten Widerstand vor sich.

Am 13. Oktober 1934 wurden die relativ eigenständigen Freistaaten Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz auf Anordnung der NS-Führung zum Land Mecklenburg zusammengeschlossen. Die Macht lag seit 1934 in den Händen des Reichsstatthalters und Gauleiters Friedrich Hildebrandt. In Pommern übernahm von 1934 bis 1945 Franz Schwede die Gauleitung.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann in Mecklenburg und Pommern die Verfolgung von Kommunisten, Sozialdemokraten, und Gewerkschaftern. Von 1933 an wurden die Juden mehr und mehr drangsaliert und unterdrückt. Ihre Geschäfte wurden boykottiert, mussten schließen oder wurden „arisiert“, Anwälte und Ärzte konnten nicht mehr frei praktizieren, Kinder und Jugendliche durften die staatlichen Schulen nicht mehr besuchen. Ein Höhepunkt der Judenverfolgung in der Zeit vor dem Krieg war die Reichspogromnacht vom 9. November 1938, als die Synagogen in Brand gesetzt und zahllose Juden verhaftet und misshandelt wurden. Im Februar 1940 deportierte das Naziregime die noch verbliebenen pommerschen Juden in die Umgebung von Lublin. Am 10. Juli 1942 wurden 88 Juden aus Mecklenburg nach Auschwitz transportiert, darunter 16 Kinder. Im November 1942 und im darauf folgenden Jahr wurden die letzten 51 Mecklenburger Juden in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Nur einer von allen Deportierten überlebte den Holocaust.

Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten regte sich nur vereinzelt. Fritz-Dietlof von der Schulenburg und Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld, der eine aus Mecklenburg, der andere aus Pommern, gehörten zu den Mitverschworenen des Umsturzversuchs, den Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 einleitete. Beide wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die Rüstungs- und Kriegswirtschaft veränderte die regionale und lokale Wirtschaftsstruktur in der Region einschneidend. In Wismar, Barth, Rostock, Stettin entstanden neue Industriezweige, allen voran die Flugzeugindustrie, die den Städten einen erheblichen Entwicklungsschub brachten. 1937 waren in der Flugzeugindustrie 18.502 Beschäftigte tätig, das waren 30 Prozent aller Beschäftigten in der regionalen Industrie. Im Heinkel-Stammwerk in Rostock wurden unter anderem die Standardbomber für die Deutsche Luftwaffe produziert und an einem ersten Düsenflugzeug experimentiert. In Peenemünde entstand in den Jahren 1936 bis 1945 mit der Heeresversuchsanstalt ein modernes Technologiezentrum. Dort wurde die Großrakete V2 entwickelt, die ab 1944 zum Einsatz kam und in London und anderen Städten viele Todesopfer forderte. Mecklenburg und Pommern wurden aufgrund ihrer Luftwaffenindustrie seit 1940 mehrfach zum Ziel alliierter Luftangriffe. 1942 wurde etwa der historische Stadtkern Rostocks durch britische Luftangriffe zerstört.

Die einheimischen Arbeitskräfte reichten bald nicht mehr aus, um die Rüstungsindustrie zu bedienen, so dass mehrere KZ-Außenlager, unter anderem in Barth, Neustadt-Glewe, Peenemünde und Boizenburg errichtet wurden, um Häftlinge für die Produktion benutzen zu können. Russische, polnische und französische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen wurden in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft eingesetzt.

Anfang 1945 erreichten Mecklenburg die ersten großen Flüchtlingswellen aus Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet, später vor allem aus Hinterpommern, so dass sich die Bevölkerungszahl nahezu verdoppelte. Zeitweilig hielten sich rund 1,2 Millionen Flüchtlinge in Mecklenburg auf, von denen rund 922.000 im Land blieben.

Die Wehrmacht versuchte einige Städte wie Neubrandenburg bis zuletzt vor der vorrückenden Roten Armee zu verteidigen. Dabei wurde die Neubrandenburger Innenstadt am 29. April fast völlig zerstört, andere Städte wurden kampflos übergeben. Am 3. Mai 1945 nahmen schließlich russische, britische und amerikanische Truppen Mecklenburg ein und besetzt es.

Mecklenburg-Vorpommern 1945 bis 1990

Nach der Potsdamer Konferenz, auf der die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, wesentliche Entscheidungen für die weitere Entwicklung Deutschlands trafen, wurde Polen die Verwaltung der östlich der Oder-Neiße-Linie gelegenen Gebiete, also Hinterpommern, einschließlich der Städte Stettin und Swinemünde übertragen. Die Verwaltung der territorial neu abgesteckten Gebiete Mecklenburg und Vorpommern übernahm die Sowjetische Besatzungsmacht. Die bis dahin im Westen Mecklenburgs stationierten britischen Truppen zogen sich vereinbarungsgemäß westseits der Elbe zurück. In einem Befehl vom 9. Juli 1945 ordnete die Sowjetische Besatzungsmacht die Gründung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. 1949 hatte das Land mit einem Territorium von etwa 23.000 Quadratkilometern 2,16 Millionen Einwohner. Parallel dazu leitete die Besatzungsmacht umfangreiche politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Veränderungen nach stalinistischem Muster ein. Diesen Prozess führte die SED als führende Partei nach der Gründung der DDR am 9. Oktober 1949 fort. Dazu gehörten die Bodenreform, die Verstaatlichung der Industrie, die Entnazifizierung und der Austausch der Eliten, die Einführung des so genannten demokratischen Zentralismus, die Gleichschaltung der Parteien und nicht zuletzt der Aufbau eines umfassenden Sicherheitsapparates.

Im neu gegründeten Mecklenburg-Vorpommern gab es im Oktober 1946 die erste und bis zum März 1990 auch letzte freie Wahl. 1947 musste der Name Vorpommern aus der Landesbezeichnung gestrichen werden. Fünf Jahre später wurde die Eigenständigkeit des Landes Mecklenburg per Volkskammergesetz aufgehoben. Das Land wurde in die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg aufgeteilt und um Gebiete Brandenburgs erweitert.

Ab 1952 ließ die SED die Grenze zur Bundesrepublik hermetisch abriegeln und Sperranlagen aufbauen, so dass es bis 1989 immer weniger Menschen gelang, in den Westen zu fliehen. Auch die Ostseeküste zwischen Priwall und Ahlbeck wurde zum Grenzgebiet.

Am 17. Juni 1953 kam es zum einzigen Volksaufstand in der DDR-Geschichte. Vor allem an den Schiffsbaustandorten in Rostock, Stralsund, Wismar und Boizenburg gingen die Bürger – vornehmlich Arbeiter – auf die Straße und forderten die Einhaltung grundlegender Bürgerrechte wie das Recht auf Meinungsäußerung, freie Wahlen und Versammlungsfreiheit. Wie in der gesamten DDR wurden die Proteste auch im Norden gewaltsam niedergeschlagen und viele Menschen verhaftet.

Die SED-Führung strebte die Industrialisierung der über Jahrhunderte von der Landwirtschaft geprägten Region an und führte die zentralistische Planwirtschaft ein. Rostock, Stralsund, Wismar und Boizenburg wurden im Norden der DDR wichtige Industriestandorte für den Schiffbau. Die Werften lieferten Schiffe an die Sowjetunion (anfangs als Reparationsleistungen) und produzierten für die Kriegsmarine. Neben dem Schiffbau expandierte die Nahrungsmittelindustrie. Die Produktion von Zucker, die Fleisch- und Milchverarbeitung sowie der Fischfang nahmen eine wichtige Rolle in der Region ein.

Zum Aufbau der Industrie kamen viele Arbeitskräfte aus dem Süden der DDR in die nördlichen Bezirke. Die Städte wuchsen und wurden um zahlreiche Plattenbausiedlungen erweitert. Während sich in Mecklenburg wirtschaftliche Kerne herausbildeten, blieb das noch schwächer besiedelte Vorpommern agrarisch geprägt.

Da es in der DDR eine politische Opposition und unabhängiges, staatlichen Vorgaben und Interessen zuwiderlaufendes Engagement nicht geben durfte, etablierten sich in den 1980er Jahre zumeist unter dem Schutzdach der Kirche Umwelt-, Friedens-, Frauen- und Menschenrechtsgruppen, die die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse verändern wollten. Sie spielten in Mecklenburg-Vorpommern eine wichtige Vorreiterrolle für die friedliche Revolution 1989. Die erreichte mit großen Demonstrationen am 19. Oktober in Rostock mit 10.000 Teilnehmern, am 23. Oktober in Schwerin mit 40.000 Teilnehmern und am 26. Oktober in Parchim mit 4.000 Teilnehmern ihren Höhepunkt.

Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde am 3. Oktober 1990 auch das Land Mecklenburg-Vorpommern neu gegründet. Am 14. Oktober 1990 fand die erste Landtagswahl statt, die die CDU gewann. Sie bildete mit der FDP die Landesregierung. Erster Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern wurde Alfred Gomolka (CDU).

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