Projektwoche über Todesmärsche

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Foto: Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

1945, kurz vor der Befreiung, kommen Tausende KZ-Häftlinge auf Todesmärschen ums Leben. Was ist ein Todesmarsch? Warum wurden sie durchgeführt? Wie gehen wir heute mit der Erinnerung um? Dazu bieten die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin im August eine Projektwoche an. 

„Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs 1945 räumte die SS fast alle Konzentrationslager (KZ) und die angeschlossenen Außenlager, um eine Befreiung ihrer Insassen durch die vorrückenden Alliierten zu verhindern. Die KZ-Häftlinge wurden auf Gewaltmärschen und mit Zugtransporten zunächst in Lager im Reichsinneren, später zunehmend ziellos über die Landstraßen und durch Ortschaften getrieben. Zahlreiche Gefangene starben dabei infolge von Hunger, Erschöpfung und Krankheiten oder wurden ermordet. Ihre Leichen wurden oftmals an Ort und Stelle verscharrt. Schätzungsweise bis zu 250.000 Menschen verloren bei diesen Räumungstransporten, die als Todesmärsche bekannt geworden sind, ihr Leben. […]“. Der Eintrag aus dem Historischen Lexikon Bayerns*, lässt erahnen, welches Leid tausenden Menschen kurz vor Kriegsende auf diesem Weg widerfuhr. Auch in MV. 

Die Mahn- und Gedenkstätten in Wöbbelin rückt dieses Kapitel der Geschichte vom 20. bis 28. August 2022 in den Mittelpunkt eines Workcamps. 

Was ist ein Todesmarsch, welche Märsche gab es und zu welchem Zweck wurden sie
durchgeführt? Wie wird regionale Erinnerungskultur heute auf individueller, gesellschaftlicher und politischer Ebene gelebt? Wie kann kann man sich auch ohne etablierteInstitutionen zivilgesellschaftlich engagieren? Fragen, denen das Camp am Beispiel des Todesmarsches Sachsenhausen-Schwerin nachgeht. 

Die Teilnehmer/innen werden mit Engagierten, Anwohnerinnen und Anwohnern sowie politisch Verantwortlichen ins Gespräch kommen, einen Teil der Todesmarsch-Strecke ablaufen und Denkmäler erneuern. Dabei soll es um die Reflexion von Erinnerungskultur gehen. Und darum, Ideen zu finden, diese partizipativer zu gestalten und stärker in den öffentlichen Diskurs zu rücken. 

Das Workcamp findet draußen statt. Übernachtet wird in Zelten. Der Projektwoche gehen drei Zoom-Einheiten voraus, um sich kennenzulernen und organisatorische Details zu besprechen. Wer Lust hat, Teil des studentisch organisierten Aktiv-Workcamps zu werden, kann sich unter info@gedenkstaetten-woebbelin.de anmelden. 

* Martin Clemens Winter, Todesmärsche (1945), publiziert am 6.5.2020; in: Historisches Lexikon Bayerns, Hintergrund

Die KZ-Hölle von Wöbbelin

Kurz vor Kriegsende finden die Gräueltaten der Nationalsozialisten einen neuen Schauplatz – in Wöbbelin. Unweit des Dorfes, direkt an der Straße zwischen Ludwigslust und Schwerin, entsteht im Februar 1945 eines der letzten Konzentrationslager. Es existiert zehn Wochen. Pfercht 5000 Häftlinge zusammen. Mehr als 1000 sterben. Weiterlesen

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