#everynamecounts

Vom / Landeskunde, Zeitzeugen

Unterlagen eines KZ-Häftlings: Dokumente aus den Arolsen Archives. Foto: Arolsen Archives

Gemeinsam mit Freiwilligen bauen die Arolsen Archives das größte digitale Denkmal für Opfer des Nationalsozialismus auf. Damit die Namen nicht vergessen werden: #everynamecounts.

Ein PC und eine Internetverbindung: Das ist alles, was man braucht, um bei der Initiative mitzumachen – spezielles Wissen ist nicht notwendig. Die Freiwilligen werden auf einer Crowdsourcing-Website durch Archiv-Dokumente geführt und bekommen Tipps für die Bearbeitung. Die Dokumente stammen aus Konzentrationslagern und zeigen, dass damalige Motive für Verfolgung heute nicht aus der Welt sind. „Jede Information, die neu erfasst wird, ist ein Ausdruck von Solidarität mit den Opfern“, sagt Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. „So bauen wir ein Denkmal auf der Basis historischer Dokumente – für die Wahrheit und gegen Rassismus und Antisemitismus.“

Die Arolsen Archives stellen auf der Crowdsourcing-Plattform immer wieder Dokumente aus verschiedenen Konzentrationslagern bereit. Darunter befindet sich eine große Zahl von Häftlings-Personalkarten und Häftlings-Personalbögen, die wichtige Daten und biografische Angaben wie den Geburtsort enthalten. Zudem finden sich auch Namen von Angehörigen, die manchmal die letzte Spur vor deren Ermordung sind: Als „Wohnorte“ von Eltern oder Geschwistern sind Orte der Vernichtung wie Auschwitz-Birkenau oder Majdanek dokumentiert.

Die Arolsen Archives haben #everynamecounts 2020 als Pilotprojekt gestartet. Über 10.000 registrierte Freiwillige haben schon mitgearbeitet. Um weltweit noch mehr Menschen zu erreichen, sind nun drei Sprachen hinzugekommen: Zusätzlich zu Deutsch und Englisch gibt es das Projekt mit allen Infos nun auch auf Spanisch, Polnisch und Französisch. Neu ist zudem eine digitale Einführung, die den Einstieg in #everynamecounts erleichtert und sich deshalb auch für Schulprojekte eignet.

Foto: Arolsen Archives

Extra

Die Schwestern Nicole van Winkoop-Schleicher und Monique Buitenhuis-Schleicher hatten ihren Großvater Johan Pieter Mackenbach niemals kennen gelernt. Umso größer war die Überraschung, als sie im 2017 eine Nachricht über Facebook erhielten: „Im Online-Archiv des International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen sind persönliche Gegenstände von Johann Mackenbach abgebildet. Sind sie die Nachfahren von ihm?“ Laut den Dokumenten wurde ihr Großvater am 2. Februar 1945 ins KZ Neuengamme und später ins Außenlager Wöbbelin deportiert. Mehr

Hintergrund

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Facebook